Das Schweigen brechen

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Ein paar Tage offline

Vor ein paar Wochen benötigte ich eine Auszeit, schrieb auf Facebook, besagter Freundin, ein paar Bekannten und meinem Dad, dass ich mein Handy eine Woche offline nehmen werde. Gründe nannte ich nicht, doch tatsächlich war es einfach so, dass alles zu viel war. Jede menge Arbeit, privat einiges zu tun, Dinge über die ich mir ohne digitale Einflüsse klar werden wollte. Es hat funktioniert, zumindest vorerst.

Irgendwann bin ich dann abgesackt, mir ging es plötzlich so scheiße, dass ich mein Handy wieder ans Netz hing, um ihr eine Nachricht schicken zu können. Ich fuhr mich selbst fest und wusste, dass ich da ohne Hilfe allein nicht mehr raus komme und auch, wenn ich schrieb, dass ich acht Tage offline bleibe, so ging es nach der Hälfte schon nicht mehr. Doch mir war klar, dass ich Hilfe brauche und ich wusste eben auch wo ich sie herbekomme.

Schön, war es dann zu hören, dass ich vermisst wurde und dass, obwohl es nur vier Tage waren. Aber irgendwann gewöhnt man sich eben an gewisse Dinge: Eine guten Morgen Nachricht nach dem Aufstehen, das gute Nacht vor dem Schlafengehen und zwischendrin ein einfaches: “Alles wird gut.”

Ich musste denken, benötigte Zeit für mich… Schwerpunkt Beziehungen, die vergangene Beziehung und mein damit verbundener Entschluss allein zu bleiben, weil die paar schönen Momente bisher noch nie die ganze Scheiße wieder gut gemacht haben, die danach kam.

Vielleicht ist die Entscheidung falsch, doch ich sehe es ganz rational. In der Vergangenheit hielt ich immer an den guten Dingen fest, doch auf 3 Gute kommen 30 Schlechte – ist es das also wert? Ist es das wert zu leiden, zu denken, sich kaputt zu machen… für dies paar schönen Momente? Ist es das wert? Mein Kopf sagt nein, mein Herz sagt ja und mein Bauch ist nach wie vor unentschlossen.

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Ich folge meinem Kopf, weil ich inzwischen davon ausgehe, dass die Gedanken, die ich mir über die Menschen in meinem Leben mache nicht auf Gegenseitigkeit beruhen – man wird einfach weggedrück, ausradiert, ersetzt… kein Gedanke mehr an mich verschwendet. Springt einfach in die nächste Beziehung… Gott es gibt keinen größeren Schlag ins Gesicht, als das.

Keinen Größeren Schlag ins Gesicht, als einfach ersetzt zu werden. Und es beinhaltet so viel, so verdammt viel… es ist ja auch nicht das erste Mal, dass mir sowas passiert. Was bedeutet das jetzt, dass mein Gegenüber schon lange mir abgeschlossen hat? Es nie wirklich ernst mit mir gemeint hat? Dass sie ‘ne Schlampe ist, was mich wiederum an mir und meiner Menschenkenntnis zweifeln lässt? Dass sie sich trösten will, was unfair dem Nächsten gegenüber ist… oder, oder, oder.

Kurzum, der Gefickte ist immer der, der ersetzt wird.

Ich dachte eigentlich, es wäre leichter, wenn ich die Beziehung beende bevor sie die Gelegenheit dazu hat – Übrigens das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Beziehung beendet habe… dachte es wird so leichter… einen fetten Scheiß… und sie versteht nicht einmal wieso ich es getan habe… weil ich ihr Wohl über mein eigenes gestellt hab’… ich krieg’ nicht mal ein Danke für alles was ich auf mich genommen habe, im Gegenteil, es wird noch aufgerechnet, um vom eigenen Fehlverhalten abzulenken… und trotzdem fehlt sie mir – wieso? Weil ich mich in eine Illusion verliebt habe? Weil ich nicht akzeptieren kann, dass ich mich so maßlos getäuscht habe? Weil ich Angst davor hab’, dass es einen Fehlentscheidung war? Oder weil ich mir eingestehen muss, dass ich von Anfang an recht gehabt habe: Man kann ein Mädchen aus der Gosse holen, aber die Gosse nicht aus dem Mädchen.

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Meine Mutter meinte, dass ich die falschen Fragen stelle. Ich sollte mich Fragen wieso sie ihr Ex geschlagen hat, wieso der andere Ex sie rausgeschmissen hat, usw. Ich konnte mich am Ende schließlich selbst nicht mehr erkennen… und wieso? Weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste, weil ich einfach nur enttäuscht war: Von ihr, von mir, von allem. Wenn sie sich natürlich überall so verhalten hat, ist es auch kein Wunder, dass es so gelaufen ist… doch vielleicht hat sie es inzwischen kapiert… schlecht für mich, gut für den Nächsten… vielleicht ist es einfach meine Aufgabe meine Weiber auf ihre nächste Beziehung vorzubereiten, was uns direkt zum nächsten Thema auf Seite 4 führt.

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