Freie Fahrt

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Das bei mir alles etwas länger dauert sollte inzwischen keine Geheimnis mehr sein, zumindest wenn ich mich dabei auf das reale Leben, fernab der Onlinewelt, beziehe.

Erster Sex mit 19, Führerschein mit 30 – was lange währt wird gut, hm?

Letzte Woche war es soweit, ich habe endlich meinen Führerschein erhalten und da ich mich meist selbst mehr verrückt gemacht habe, als es eigentlich hätte sein müssen, dachte ich mir, dass ich meine Erfahrungen dazu niederschreiben kann…

Ende letzten Jahres habe ich einen Kurs, dessen Bestandteil der Erwerb des Führerscheins war, begonnen. Als ich das erste Mal auf der Fahrerseite eingestiegen bin, fühlte sich alles etwas ungewohnt an. Ich mein ich hatte viele Jahre, auf Grund meines Autounfalls mit 16, Angst überhaupt in ein Fahrzeug zu steigen.

Nach Möglichkeit bin ich ausschließlich mit der Bahn gefahren, weil ich ständig mit mir selbst kämpfen musste sobald ich auch nur in die Nähe eines PKW gekommen bin.

Der Schwerpunkt des Kurses ist ganz klar der Führerschein, dementsprechend zügig ging es los. Bereits in den ersten beiden Wochen prügelten wir den gesamten Theorieunterricht durch und einige Wochen danach durfte ich an der Theorieprüfung teilnehmen:

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So, wieder ein Schritt weiter :)

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Ergebnis: 0 Punkte, sprich alles richtig.

Ich war, wie vor jeder Prüfung, unheimlich aufgeregt. Jedoch nicht, weil ich Angst davor hatte durch zufallen, sondern viel mehr, weil ich Angst hatte die Erwartungshaltungen mir gegenüber nicht zu erfüllen.

Für die meisten im Kurs war es klar, dass ich bestehen muss und dementsprechender Druck wirkte von außen auf mich ein. „Was ist wenn ich durchfalle?“, „Was denken dann die anderen?“, „Bin ich überhaupt geeignet ein Auto zu fahren?“ – viele Fragen, viele Gedanken… und ganz ehrlich: Was wäre denn gewesen, wenn ich durchgefallen wäre? Nichts. Gar nichts. Klar wäre ich von mir selbst ein Stück weit enttäuscht gewesen, aber nichts desto trotz wäre die Welt davon nicht untergegangen.

Wie schon gesagt war ich enorm aufgeregt im Vorfeld. Ich wartete mit einer Klassenkameradin vor dem TÜV, sie schaute mich an und erzählte mir eine kleine Geschichte:

„Ich war gerade mit den anderen unten am Busbahnhof, dann kam DER UND DER dazu und meinte, dass du das heute nicht schaffst, weil du ja nie gelernt hast.“

Ich konnte selbst nicht glauben, was ich da gerade hören musste, da die Aussage, dass ich nicht bestehe von einem aus dem Kurs kam, der den Eindruck vermittelt, dass er sich nicht einmal selbstständig den Hintern abwischen kann.

Für mich war das Grund und Antrieb genug ruhig und locker zu werden, ganz nach dem Motto: „Dem zeig ichs.“ schrieb ich meine Prüfung und siehe da mit 0 Fehlern bestanden. Die erste Hürde war also gemeistert.

Theorie und Praxis sind zweierlei

Man kennt es, nur weil man etwas theoretisch beherrscht heißt das noch lange nicht, dass man es auch praktisch umsetzten kann.

Nachdem ich ein paar Übungsfahrstunden hatte und das Auto kennenlernen konnte, sollte ich direkt alle Pflichtstunden ablegen, sprich 5 Überland, 4 Autobahn, 3 Nacht, der Haken daran war ein anderer Fahrlehrer und bereits nach den ersten paar Stunden musste ich feststellen, dass es das beste war was mir passieren konnte.

Der Unterricht war anders, während mich der übliche Fahrlehrer einfach machen lassen hat, ich für mich selbst lernen konnte und er mich gelegentlich auf Fehler hinwies, beobachte mich der Aushilfsfahrlehrer etwa 20 Minuten lang, fuhr dann auf einen großen, freien Parkplatz und teilte mir folgendes mit:

„Also Eric, du kannst gut und sicher fahren, aber du machst zwei Fehler, die wir jetzt beseitigen werden: 1. Du hältst das Lenkrad falsch 2. Du schaltest nicht richtig bzw. zu unsicher eben auf Grund dessen.“

Wir übten einige Fahrmanöver auf dem freien Parkplatz: LINKS, LINKS, LINKS, RECHTS, RECHTS, RECHTS, STOPP, WEITER, LINKS, LINKS, RECHTS, RECHTS… usw. ihr könnt euch ein Bild machen.

Wichtig war ihm, dass ich das Lenkrad beherrsche. Er wollte nicht, dass ich das Rad schiebe sondern ziehe und ich musste feststellen, dass es so deutlich leichter geht.

Kurzum: 10 vor 2 – ich hielt das Lenkrad meistens etwas weiter unten, bin dann beim Schalten ins Wackeln oder zu weit auf die andere Fahrbahn gekommen… nach diesen Fahrmanövern hat sich das jedoch komplett erledigt.

Lenken war also kein Problem mehr, weiter zum Schalten: „Eric das Auto spricht mit dir, hör auf den Motor und der Rest kommt von ganz allein.“

Zuvor war es immer so, dass ich zu viel gedacht habe, ich hatte ständig irgendwelche Gedanken im Kopf von wegen: „Schalten bei 2000 Umdrehungen… bei 20/40/60/80 und zurück bei 70/50/30/10.“ – natürlich ist das für den Anfang eine Hilfe, doch jedes Auto ist auch etwas anders. Das Hören und Spüren war viel leichter, da ich so meinen Blick nicht von der Fahrbahn abwenden musste und deutlich weniger gestresst war.

Am folgenden Tag sind wir Landstraße gefahren, er war Stolz, dass ich das zuvor gelernte so schnell umsetzten konnte und teilte mir mit, dass er noch eine Überraschung für mich hätte.

Ich konnte es mir denken, war mir jedoch etwas unsicher. Die Überraschung war die Autobahn:

Uff, ich glaube es geht fast jedem so, dass man am meisten Schiss vor der Autobahn hat, doch tatsächlich ist es das leichteste Fahren. Natürlich muss man beim Ein- und Ausfahren zügig handeln, aber an und für sich ist es echt entspannend… vielleicht sogar zu sehr, doch darauf komm ich später zurück.

Ich hatte zwei Wochen Pause, weil mein Fahrlehrer über die Feiertage im Urlaub war und wer will’s ihm verübeln. Nach den Ferien hatte ich noch 5 Übungs-, bzw. Prüfungsvorbereitungsstunden und kurz danach ging es schon wieder zum TÜV.

Ich war aufgeregt, wieder voller Selbstzweifel und zu höher Erwartungen an mich selbst… wie sich herausstellte vollkommen grundlos.

Als ich auf dem Weg zum TÜV war meldete sich eine Klassenkameradin bei mir, welche an diesem Prüfungstag als erstes dran war: „Super Prüfer, sympatisch, verständnisvoll, nett… ehemaliger Bundler.“

Ich war etwas erleichtert, aber immer noch aufgeregt. Wieder zu viele Gedanken im Kopf… Kippe, Kaffee, Kippe… noch eine und noch eine. Irgendwann wurde ich lockerer und entspannter… ich mein was sollte denn schon schiefgehen? Und wenn nicht, mach ichs halt noch mal – auch, wenn das niemals eine Option für mich gewesen wäre.

Die praktische Prüfung

Ich war viel zu früh da, wartete fast eine Stunde bis endlich mein Fahrlehrer mit dem Prüfer und einer anderen Fahrschülerin ankam. Ich konnte beobachten was im Auto vor sich ging, war etwas skeptisch… doch: Bestanden!

Der Prüfer stieg aus, lief auf mich zu. Im schroffen Ton und mit festen Handschlag begrüßte er mich: „So sie sind also der nächste im Bunde.“ – Ich fühlte mich direkt zurück in die Bundeswehr versetzt und erwiderte: „Jawohl!“

„Ich muss noch kurz pissen und dann können wir loslegen.“ ich musste grinsen und ging zum Auto, stellte mir alles ein und wieder: Warten.

Die Prüfungsfahrt als solches kam mir vor wie in einem Traum, ähnlich der ersten Fahrstunde wirkte alles so surreal… Parken, fahren, Gefahrenbremsung, rechts vor links… alles in 45 Minuten, Urteil:

Sehr guter und umsichtiger Fahrer, einmal zu schnell um die Kurve, bestanden.

Das erste Mal allein

Am nächsten Tag wollte mich eine Freundin besuchen, ich teilte ihr im Vorfeld mit, dass ich sie mit dem Auto vom Flughafen abholen werde, sofern ich bestehe. Gesagt, getan… ich musste jedoch zuvor noch einmal eine Prüfung ablegen… nämlich bei Mama: „Du kriegst das Auto erst, wenn ich gesehen habe wie du fährst.“

Die Prüfungsfahrt mit Mama war deutlich entspannter, als ich zunächst angenommen habe. Sie war froh, dass sie nun endlich auch einmal auf dem Beifahrersitz sitzen konnte, ohne selbst fahren zu müssen, auch hier wieder: „Ja du fährst gut.“

Ich hatte kaum Zeit durchzuatmen, hab meine Mutter heimgefahren, umgedreht, bin direkt nach Hause, schneller Kaffee, Musik-CDs gebrannt, Route rausgesucht und los.

Zugegeben, es war eigenartig, als ich zum ersten Mal komplett allein gefahren bin, da war einfach niemand neben mir, der mir Anweisungen gegeben oder meinen Fahrstil bemängelt hat… endlich: FREIE FAHRT.

Es wurde inzwischen dunkel, doch nach jedem weiteren Kilometer wurde ich lockerer und fühlte mich selbstsicherer, als je zuvor.

Ich hatte es geschafft, die größte Hürde meines Lebens genommen und ich bin froh drum.

Der erste Roadtrip

Nachdem ich meine Freundin/Bekannte vom Flughafen abgeholt hatte und sie mir mitteilte, dass sie keinesfalls den Eindruck hat, dass ich den Führerschein erst einen Tag habe, schlug ich ihr vor am Wochenende an den Bodensee zu fahren:

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Erster #Roadtrip #lindau #bodensee

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1000km am ersten Wochenende, Autobahn und Landstraße… und, um auf die Aussage von vorhin zurück zukommen:

Autobahn ist echt langweilig und ermüdend.

In diesem Sinne wünsche ich mir selbst weiterhin gute Fahrt und an alle da draußen, die Angst vor den Prüfungen haben: Ihr schafft das!

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#neuebrille

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Passend zum Thema:  Die letzte Reihe

Über den Autor

Eric

Mitte, Anfang 30 oder sowas, Energyjunkie und leidenschaftlicher Gamer. meska.me ist meine persönliche Blog-Mischmasch-Alles-Seite auf der ich hin und wieder Gedanken und Eindrücke rund um Themen die mich eben derzeit beschäftigen veröffentliche.

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