Die eigene Grundstimmung

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Heute Teil zwei der Serie. Noch einmal zur Erinnerung, was der Grundgedanke dahinter ist. Wir Menschen sind Schwingungswesen, vergleichbar mit einem Musikinstrument.

In dem Bericht, der diesen Vergleich beinhaltete wurden Menschen mit einer kunstvoll gefertigten Stradivari-Geige verglichen. Dieses Bild führte mich zum zweiten Punkt, den ich heute mit euch teilen möchte: der eigenen Grundstimmung.

Jedes Instrument kommt in sich gestimmt auf den Markt. Wie im letzten Artikel beschrieben, hat jedes Instrument seine eigene Klangfarbe, aber die Grundstimmung jedes einzelnen Instrumentes ist ab Werk harmonisch. Mit der Zeit und Spieldauer kommt es jedoch auf Grund meist äußerer Einflüsse dazu, dass diese Grundstimmung nicht mehr vorhanden ist und das Instrument nachgestimmt werden muss. Besonders einfach zu sehen ist das bei Streichinstrumenten oder Gitarren. Hier passiert es, dass jede einzelne Saite regelmäßig nachgestimmt werden muss, um die an sich harmonische Grundstimmung wieder herzustellen und einen guten Klang hervorbringen zu können.

Und der Mensch ist hier ähnlich. Jeder kommt mit einer harmonischen Grundstimmung auf die Welt. Man sieht das bei Kindern. Diese sind in sich stimmig. Sie strahlen eine Harmonie in die Welt, die aus ihrem Innersten kommt. Sie sind in sich stimmig. Mit der Zeit geht diese Grundharmonie auf Grund verschiedener Faktoren verloren. Man wird in sich unausgeglichen und disharmonisch. Die Reinform dieser Disharmonie kennt vermutlich jeder, der schon einmal mit Pubertierenden zu tun hatte.

Es ist völlig normal, dass sich die Grundstimmung im Laufe der Zeit verstimmt. Kein Streicher oder Gitarrenspieler bricht in Panik aus, wenn er feststellt, dass die Saiten sich verstimmt haben. Er stimmt sie dann einfach nach. Und genau das ist der entscheidende Punkt an dieser Stelle. Er hält inne in seinem Spiel und sorgt dafür, dass die Grundharmonie wieder hergestellt wird. Und genau dieser kleine aber entscheidende Faktor unterscheidet den Musiker von vielen Menschen. Viele gehen mit einer disharmonischen Grundstimmung durchs Leben. Sie stimmen sich nicht nach, wenn sie ihre Harmonie verloren haben.

Drei Aspekte sind wichtig, um die eigene Harmonie wieder herzustellen.

Als erstes muss einem erst einmal bewusst werden, dass man Nachstimmen müsste. Manchmal ist einem nicht bewusst, dass das eigene Instrument in sich verstimmt ist. Dies kann sein, weil man im Eifer des Gefechts – bspw.  während eines Stückes – gar nicht hört, dass sich die Stimmung verstellt hat. Oder weil man kein Gehör für die feinen Nuancen der Harmonie hat. Entscheidend hierbei ist, dass man überhaupt weiß, was die eigentliche Grundharmonie seines Instruments ist. Wenn ich nicht weiß, wie bspw. eine gut gestimmte Geige klingt, höre ich auch nicht, wenn sie verstimmt ist. Es ist also entscheidend, dass ich weiß, was meine eigene Harmonie ist. Ich muss meine klangvolle Grundstimmung kennen, um überhaupt zu merken, wenn ich von dieser abweiche. Immer wieder stelle ich in Gesprächen fest, dass viele Menschen vergessen haben, was eigentlich ihre eigene Harmonie ist. Wie „klingst“ du, wenn du gut gestimmt bist? Hörst du, wenn sich – um im Bild zu bleiben – eine Saite deines Lebens verstimmt hat?

Ein wichtiger Hinweis noch an dieser Stelle: jedes Instrument hat seine eigene Grundharmonie. Und auch wenn es vielleicht in unseren Ohren unharmonisch klingen mag, so kann ein Instrument doch in sich stimmig sein. Deutlich wird dies, wenn man einmal Instrumente aus anderen Kulturkreisen hört, die in einer anderen Tonalität gestimmt sind. Vielleicht kennt ihr das von indischen oder asiatischen Instrumenten, die für westliche Ohren schräg klingen. Das heißt, nur weil ich den Eindruck habe, dass das Instrument verstimmt ist, muss das noch lange nicht stimmen. Und das gilt auch für unser Gegenüber. Es kann durchaus sein, dass wir die Grundharmonie unseres Gegenübers als disharmonisch erleben kann es durchaus sein, dieser aber in seiner Tonalität stimmig ist.

Dies führt direkt zum zweiten Aspekt. Wir brauchen ein Stimmgerät, um die Grundharmonie wieder herzustellen. Ohne ein Stimmgerät kann ein Musiker zwar eine in sich stimmige Harmonie wieder herstellen. Diese kann aber von der dem Instrument ursprünglich zugrunde gelegten Harmonie abweichen. Das klingt jetzt etwas kompliziert, daher mache ich es an einem Beispiel deutlich. Wenn man eine Gitarre stimmen will, so braucht man ein Stimmgerät, um die erste Saite wieder auf die ursprüngliche Stimmung einzustellen. Die restlichen Saiten kann man dann an Hand dieser einen Saite alle anderen nachstimmen. Bei Streichinstrumenten ist das genauso. Nun kann man ohne Stimmgerät alle Saiten an der ersten Saite ausrichten. Damit klingt die Gitarre an sich wieder harmonisch. Wenn aber die erste Saite nicht dem eigentlichen Grundton entspricht, ist das Instrument an sich nicht nach seiner Grundstimmung ausgerichtet. Das merkt man spätestens im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten. Was heißt das nun für uns? Wir brauchen für uns ein Stimmgerät, das uns anzeigt, in welche Richtung wir uns nachstimmen müssen. Ist die Saite zu hoch, heißt zu sehr unter Spannung? Oder ist sie zu locker gespannt und damit zu tief? Entweder entwickeln wir eine innere Stimmgabel, an der wir uns immer wieder abgleichen können, ob wir noch in unserer Grundharmonie befinden oder ein inneres Stimmgerät, das uns für jede Saite unseres Lebens anzeigt, wenn die Grundstimmung verloren gegangen ist. Überleg dir doch einmal für dich, was dein Indikator ist, um deine eigene Grundstimmung wieder herzustellen. Woran merkst du, wenn du disharmonisch wirst und was hilft dir, deine Grundharmonie wieder herzustellen?

Und mit dem letzten Punkt kommt die schlechte Nachricht. Wir müssen aktiv werden und handeln. Ein Musiker, dessen Instrument verstimmt ist, hält wie eingangs erwähnt inne und stimmt es nach. Und diesen Punkt übersehen wir leider zu oft. Selbst wenn wir merken, dass wir unsere Grundstimmung verloren haben, halten wir selten inne und versuchen aktiv, diese nachzustellen. Sondern wir denken „naja, wird auch so gehen“. Oder wir reden uns ein, dass wir dafür keine Zeit haben, uns irgendwann darum kümmern werden. Oder wir hoffen einfach, dass sich diese von selbst wieder herstellt. Wenn dann das oder jeden erledigt ist, wird auch die eigene Harmonie wieder kommen. Das kann manchmal funktionieren. Wenn wir auf Grund eines hohen Arbeitsaufkommens oder einer besonderen Stresssituation unsere Grundharmonie kurzfristig verlieren, kann diese sich von selbst wieder später einstellen. Wichtig ist aber immer, einen Blick darauf zu haben. Immer wieder inne zu halten und zu schauen, ob man vielleicht doch nachjustieren müsste. Denn schnell ist man an die falsche Stimmung gewöhnt und merkt gar nicht mehr, dass man in sich disharmonisch ist. Wann hast du das letzte Mal innegehalten und deine Grundharmonie wieder hergestellt?

Noch ein kleiner Verweis: das Nachstimmen geht bei einem Streichinstrument oder einer Gitarre relativ leicht und schnell, bei Blasinstrumenten oder bspw. einem Klavier ist der Aufwand größer. Hier muss man meistens einen Instrumentenbauer konsultieren, der das Instrument professionell wieder nachstimmt. Manchmal kann es ungemein hilfreich sein, wenn man sich Hilfe von Außen sucht, quasi von einem Fachmann, um wieder seine eigene Grundstimmung zu erkennen und diese herzustellen.

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Über den Autor

Miriam

Spirit Concert bietet Einzelcoachings für persönliche Veränderungen an. Das Besondere ist, dass über Beispiele aus Musik Zusammenhänge verständlich gemacht werden und Aha-Momente entstehen. Das Ziel ist, seine individuelle Lebens-Komposition zu kreieren und so sein Leben nach seiner eigenen Melodie zu leben.

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