Ich hab‘ schon eine Handvoll interessanter Menschen in meinem Leben. Einer davon ist Dirk, der mich immer wieder verblüfft – was einfach daran liegt, dass er hin und wieder Dinger raushaut, die mich zum Denken anregen.

Heute wollte er wissen, ob ich inzwischen komplett zu Partyrent gewechselt bin – die Antwort ist Nein, noch nicht. Es ist ganz gutes Geld für recht wenig Arbeit und die Kollegen sind super.

In der Nacht von Sonntag auf Montag lernte ich Flo kennen, er ist hauptberuflich Frachtpilot und macht das nur noch nebenbei, weil das Team in den letzten 9 Jahren einen Art Familie für ihn geworden ist. Er hatte so eine unglaubliche Ruhe, eine wahnsinnig angenehme Stimme und strahlte enorme Gelassenheit aus … „da will ich auch hin“ dachte ich mir.

Irgendwann schaute er mich an, grinste und meinte: „Dass du einen guten Job machst, brauch ich dir nicht sagen, oder?“ – Nein … aber hören tu ich’s trotzdem gern. Ich musste auch grinsen und an Marcel denken. Marcel ist einer der anderen Projektleiter, mit dem ich schon mehrmals zusammengearbeitet habe. Er freut sich immer, wenn ich komm und das merkt man auch ohne Worte. Er ist etwas aufbrausender, direkt, auch Kunden gegenüber – was manchmal nicht so von Vorteil ist, aber ja,… jeder hat seine Charakterzüge. Jedenfalls ist Marcel anders, er klopft mir immer auf die Schulter und lächelt, was natürlich auch ein schönes Lob ist.

Das Ding ist einfach, dass man immer mindestens für die gebuchte Zeit (meistens 4 Stunden) gezahlt wird. Heißt, wenn wir in einer Stunde fertig sind, ist das ein echt guter Stundenlohn.

Sonntag auf Montag – 4 Stunden gezahlt – 2 gearbeitet – Freitag auf Samstag – 3 Stunden gearbeitet – 5 gezahlt. Der Montag davor war für 4 Stunden geplant und nach 1,5 Stunden sind wir wieder heimgefahren. Sonntag – 6 gezahlt – 3,5 gearbeitet usw.

Der Stundenlohn an und für sich ist auch besser als das, was ich momentan verdiene. Allerdings ist das größte Problem, dass man immer arbeiten kann. Also quasi rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr – es gibt keine geregelten Arbeitszeiten und das nervt mich. Es nervt mich ja jetzt schon, wenn ich mal eine Stunde später anfangen muss in meinem Hauptgeschäft … na ja.

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Zurück zu Dirk:

Dirk wollte wissen, wie ich das jetzt gerade mache und die Antwort ist ganz leicht: Wenn ich Lust habe, arbeite ich. Meistens eben nachts, weil’s da noch mal Zuschläge gibt.

„Und wann schläfst du dann?“ – „Gar nicht.“

Dirk schrieb mir dann: „Napoleon hat auch nur 4 Stunden geschlafen …“ – ich nickte, was er nicht sehen konnte. Nach einer kurzen Pause vervollständigte er seinen Satz:

„Dass er am Ende gescheitert ist, brauch ich dir nicht erzählen, ja?“

… er hat ja recht, macht sich eben Sorgen, dass ich mich kaputtmache und mit der Sorge ist er nicht allein, allerdings funktioniert es momentan … noch.