Venus: Beziehungen

V

Warum streben so viele Menschen nach einer Beziehung? Nach einer Partnerschaft, nach einer Bindung zu jemand anderem? Warum fällt es uns in der heutigen Zeit, und gerade da, so schwer uns selbst genug zu sein? Warum brauchen Menschen auf Biegen und Brechen unbedingt jemanden an ihrer Seite? Und warum sind sie unglücklich, wenn es diesen jemanden in ihrem Leben nicht gibt?

Ich habe viele Beziehungen in meinem Leben gehabt. Freundschaftlich, sexuell, partnerschaftlich, liebevoll, hasserfüllt. Und für mich hatten all diese Beziehungen nur eines gemeinsam: am Ende haben sie mich unglücklich gemacht. Weil ich Beziehungen nicht als Mittel sondern als Zweck betrachtet habe. Es gab immer und allgegenwärtig eine Definition von Beziehung und vor Allem, wie sie zu sein hat: zukunftsorientiert, mit Liebe verbunden, verlässlich, eng, harmonisch.

Und hier liegt nach meiner heutigen Sicht die Krux an der Sache. Es war immer das Ziel eine Beziehung zu haben um mich besser, beschützter, geliebter zu fühlen. Ich habe in eine Beziehung  Ziele gepackt die es zu erfüllen galt. Wenn all dies nicht gegeben war, hatte ich keine Beziehung.

Und das ist Bullshit.

Ich kann mich auch alleine um meine Zukunft kümmern. Und wenn dann irgendwann irgendjemand kommt, der ein Stück meines Weges mit mir gehen will ist das schön.

Ich kann mich selbst lieben. Jeden Tag. Und wenn dann irgendwann irgendjemand kommt, der mich liebt wie ich bin ist das schön.

Ich kann mich auf mich selbst am Besten verlassen und werde mich nur ganz selten selbst enttäuschen. Und wenn irgendwann irgendjemand kommt, der ebenso zuverlässig mit mir wie mit sich selbst umgeht ist das schön.

Passend zum Thema:  Herzenssache

Was ich sagen will: ich brauche niemanden in dessen Welt ich mich einpassen muss, damit ich mit ihm zusammen sein kann. Genau so wenig wie mich jemand brauchen sollte um geliebt zu werden. Das alles schafft so große Abhängigkeiten die wohl von keinem Gerüst getragen werden können.

Ich „suche“ auch keine Beziehung mehr. Ich bin nicht  mehr gierig danach sagen zu können mit jemandem zusammen zu sein. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies mein ganzes Leben so bleiben wird. Ich möchte nicht mehr jemand anderes spielen nur um irgendwo reinzupassen, damit ich eine Beziehung haben kann. Ich möchte auch keine Enttäuschungen mehr erleben, nur weil ich Erwartungen an jemand hatte, die man eben in einer Beziehung hat.

Ich möchte leben. Vorrangig mit mir selbst. Ich bin mir genug. Ich kenne meinen Wert und weiß, dass ich alles schaffen und haben kann, was ich will. Ich möchte niemanden brauchen. Und ich will nicht gebraucht werden. Ich möchte weder der Grund sein, warum jemand glücklich ist, noch möchte ich der Grund für Enttäuschung bei jemand anderem sein.

Was ich aber möchte sind großartige Gefühle. Lachen, weinen, Spaß haben, nachdenken, albern sein, Schmetterlinge im Bauch, betrübt sein, philosophieren, reden, fühlen, spüren, geben, nehmen, vermissen, freuen und noch so unsagbar viel mehr.

Es wird niemals diesen einen Menschen geben mit dem all das möglich wäre. Und das ist völlig in Ordnung. Aber all das ist, was ich vom Leben erwarte. Und ein Teil davon würde ich aufgeben, wenn ich mich in eine Beziehung quetschen würde.

Passend zum Thema:  April, April?

Also werde ich wohl nur noch eine Beziehung pflegen. Und zwar die zu mir selbst. Übrigens die wichtigste Beziehung im Leben.

Und hier gehts weiter: Mars: Beziehungen

Über den Autor

TJ

Mitte 30, Mutter von einem Pubertier, Product Owner und Single.

Ich schreibe bereits mein gesamtes Leben Texte. Angefangen hat alles als ich ca. 12 Jahre alt war, mit einer 83-seitigen Geschichte über das imaginäre Kennenlernen meiner damaligen Pop-Idole. In der Schule waren Diktate und Aufsätze für mich das Paradies. Hat sich auch immer in den Noten gezeigt.

Dann kam die volle Wucht der Erwachsenen-Realität. Ausbildung in der Amtsstube, die ersten existenziellen, materiellen Sorgen, Menschen, Kind, noch mehr Sorgen, noch mehr Erwachsenen-Realität. In all dieser Zeit habe ich meine Ader vergraben. So tief verbuddelt, bis kein Blut mehr durchfloss. Zwischendurch immer mal geschaut, ob sie noch da ist, aber nie wirklich wiederbelebt. Bis jetzt.

Schreiben ist für mich das Ordnen meines Chaos im Kopf. Es kann vorkommen, dass ich mit einem Thema beginne und dadurch ganz nebenbei 20 andere Themen entstehen die ich alle durchdenken will. Da aber auch mein Hirn nur begrenzte Kapazitäten hat, mach ich das schriftlich. 90% davon landen verlässlich im Mülleimer.

Schreiben ist aber auch immer eine Reise. Eine Reise in mich selbst um zu schauen, was da denn gerade los ist. Was dann manchmal vom Kopf oder Bauch über die Fingerchen auf Papier oder den Bildschirm befördert wird, bringt mich ab und an selbst zum Staunen.

Ich selbst bin ein hochgradig rational-emotionaler Mensch. Geht gar nicht, denken jetzt viele. Geht wohl! Im Job bin ich Hirn und Verstand par excellence. Sobald ich aber die Stempeluhr betätigt habe, kommt das volle Bauchgefühl.
Wenn ich im Job sehr bestimmt und zielgerichtet fokussiert bin, dann bin ich im Privatleben genau so emotional, verwirrt und zerstreut.
Viele sagen, das liegt am Sternzeichen Zwilling. Ich sage, das bin halt ich.

Ich lebe getreu dem Motto: Ich möchte ganz viel Neues erleben. Den Status quo kenne ich ja schon.

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