Jeder hat ein Recht auf Leben

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Ich durchlebte schon viele Phasen in meinem Leben, ging sonntags in die Kirche, montags zu Nazitreffen und regte mich unbegründet über Ausländer aus – an und für sich ging es mir zum damaligen Zeitpunkt recht gut, doch wenn man keinen Probleme hat, macht man sich eben welche.

Es war nie so, dass mir in meinen jungen Jahren ein Ausländer meinen Arbeitsplatz weggenommen oder meine Freundin ausgespannt hätte, tatsächlich war ich damals sogar mit einer Italienerin zusammen – hm, ich steh’ auf kleine Frauen (sorry kurz in Erinnerungen geschwelgt). Da war tatsächlich nichts worüber ich mich beschweren hätte können. Vielleicht fühlte ich mich als Schlüsselkind gelegentlich einsam, aber das hat sich bis heute nicht geändert – also das konnte es nicht gewesen sein. Eventuell wollte ich irgendeinen Anschluss haben, weil es mir schon immer recht schwer gefallen ist Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen und jah, auch das hat sich nicht geändert. Tatsächlich weiß ich nicht wieso ich damals so verblendet war und mein eigenes Leben über das der anderen stellte.


Heute ist das anders, heute denke ich anders, genau genommen denke ich schon länger anders. Jedoch war ich mir bis ich nach Bayern gezogen bin noch nie so wirklich bewusst darüber. Klar mach’ ich nach wie vor Witze über Juden und Neger, doch das ist schlichtweg mit meinem schwarzen Humor begründet – Sarkasmus und Ironie, weißt schon. Die Witze sind nicht von tiefem Hass geprägt oder so, sondern einfach nur lustig.

Zurück zum Umzug nach Bayern. Mir gefällt meine Wohnung – für einen allein optimal, zu zweit lässt es sich auch noch grad so aushalten – aber zu zweit wird nicht mehr passieren, nie wieder. Doch, ja… ist nicht der Punkt. Ich bin zufrieden mit meiner Wohnung, klar will ich noch einige Sachen ändern, ähnlich wie bei meinem Mini, aber meistens fehlt mir einfach die Lust und auch das Geld… doch das wird irgendwann. Es gibt nichts was mich jetzt wirklich stört oder hier und jetzt auf der Stelle erledigt werden muss, was mich allerdings im ersten Winter gestört hat war, dass ich überall Spinnen in der Wohnung hatte. Anfangs durften sie noch Bekanntschaft mit meinem Staubsauger machen (da fällt mir ein, dass ich den Zweiten mal wegschmeißen muss), irgendwann gab ich jedoch auf, weil ich den Eindruck hatte, dass für jede Spinne die ich beseitigte, zwei neue kamen.

Schlussendlich wurde es wieder wärmer und das Problem löste sich in Luft auf. Dann stand der nächste Winter vor der Tür und wieder hatte ich neue Mitbewohner – überwiegend da, wo es warm war, in den Ecken über den Heizungen, im Flur, usw. machten sich wieder Spinnen breit. Pff. Wirklich?

Mein erster Gedanke war, dass sie doch irgendwo reinkommen müssen – ist ja jetzt nicht so, dass die an der Tür klingeln und fragen, ob sie bei mir überwintern können. Überwintern – richtig, als es wärmer wurde waren sie ja wieder weg. Hm. Zwei Minuten später erhielt ich, Google sei dank, meine Bestätigung und scheinbar ist es tatsächlich so, dass Spinnen sich über den Winter gerne in warmen Wohnungen verkriechen. Brauchens die Kaltblüter wohl auch warm, hm.

Ich mein irgendwo müssen sie ja hin und ich muss mich ja auch nicht um sie kümmern, sie zahlen war keine Miete, aber das hat meine Ex auch nicht getan. Kurzum sitzen sie nur in der Ecke und sind wahnsinnig nutzlos für mich – es tun sich echt Parallelen auf, gel? Haha. Musste jetzt grad echt lachen, aber letztendlich ist es halt so. Es gibt einen maßgeblichen Unterschied, denn von den Spinnen erwarte ich nichts… doch egal. Darum geht es nicht, sondern um die Erkenntnis, dass jedes Leben lebenswert ist.

Also warum soll ich die Spinnen vernichten, wenn sie mir doch nichts tun? Und würden sie mich nerven, würde ich ihnen wohl einfach nur einen dummen Spruch an den Kopf klatschen – klar verstehen sie mich nicht, doch bei den Menschen ist es ja das Selbe.

Naja, ich bin ja hier der Sonderling.

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Von Eric

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