Verbrannte Erde vs. Friede, Freude, Eierkuchen

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Bei mir im Ort gibt es eine kleines, familiengeführte Restaurant – vor Zeiten vor Corona, Lockdown und Co. war ich dort gerne mit einem Arbeitskollegen essen, zu den Betreibern gehören zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der eine ist etwas kräftiger, scheinbar ausgeglichener und zufrieden, der andere hingegen schlank und etwas verbittert. Beide sind überaus lustig und sympathisch und irgendwie sind sie auch ein Grund wieso wir immer wieder dort hin gehen. Ende des vergangenen Sommers kam das Thema Trennung auf und wie beide damit umgehen. Die Kommunikation zwischen den beiden ist immer sehr unverblümt und direkt und lockert sich noch weiter, je weniger Gäste da sind.


“Verbrannte Erde, nichts übrig lassen worauf man je wieder aufbauen könnte” – ich nickte und lächelte, als ich das hörte ohne groß drüber nachzudenken. “Er hat recht…” sagte ich zu meinem Kollegen “… nur so funktioniert das.” Die Worte zum Thema verbrannte Erde kamen von dem Schlanken, mir wurde klar, dass er nicht verbittert ist, sondern nur enttäuscht. Enttäuscht von der Welt und den Menschen um sich herum – Weltschmerz nennt man das, eine etwas ausgeprägtere Version der Melancholie. Ich fühlte mit ihm, konnte verstehen, denn schließlich ging es mir auch so.

Der andere Bruder erinnerte mich ebenfalls an mich oder eben daran wie ich bis zum Jahreswechsel war. Er erklärte, dass es besser ist im Guten auseinander zu gehen und gesittete Verhältnisse beizubehalten. Wieder musste ich grinsen, schüttelte aber diesmal den Kopf. Mir wurde klar, dass es nichts bringt – es bringt nichts an etwas festzuhalten in der Hoffnung, dass es irgendwann wieder besser wird, da man sich jedes mal aufs neue weh tut. Zugegeben es mag ein geringerer Schmerz sein, den man jedoch über längeren Zeitraum mit sich rumträgt bis er dann irgendwann eventuell verfliegt.

Die Methode der verbrannten Erde ähnelt einem Pflaster, welches man schnell und ruckartig abzieht – schmerzt natürlich auch, aber nur kurz. Der Schmerz verfliegt und ist wesentlich schneller vergessen, als wenn man das Pflaster langsam abpopeln würde.

Was ist nun besser? Ein kurzer, intensiver Schmerz oder kontinuierliche, kleine “Stiche”? Meiner Meinung nach die kurze Intensität.

Jetzt mag vielleicht irgendjemand denken, dass sich das so leicht sagt, doch es ist so leicht. Das einzig schwere an der Sache ist sich das ganze auch einzugestehen – sich einzugestehen, dass es nichts bringt, beispielsweise Kontakt beizubehalten in der Hoffnung, dass sich vielleicht etwas ändert – zu akzeptieren, dass man manche Dinge nicht ändern kann und man nur für sich selbst verantwortlich ist. Man muss sich nicht rechtfertigen, außer bei sich selbst und ganz ehrlich wir verbringen doch unser ganzes Leben mit uns – also wem soll man es schon recht machen außer sich selbst?

Um dieser Einsicht das i-Pünktchen draufzusetzen, löschte ich zum Jahreswechsel alle Kontakte aus meinem Telefon, Facebook, Twitter, Instagram – blockierte alle mit denen ich noch irgendwie verbunden war in der Hoffnung, dass sich vielleicht eines Tages etwas ändert. Klar, gibt es gelegentlich Momente in denen ich drüber nachdenke wieder in Kontakt zu treten, aber mir wird dann recht schnell klar, dass es nichts bringt und ich mich damit nur selbst verletze.

Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben.

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Von Eric

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