Heute ist der letzte Samstag vor dem Abflug nach Uganda. Das steht so im Kalender, die Flüge sind gebucht, der Koffer liegt halb offen im Zimmer – und trotzdem fühlt sich das alles noch ein bisschen unwirklich an. Jahrelang war „Uganda“ eher ein Thema in Gesprächen, ein Ort in Geschichten, Fotos und Videocalls. Jetzt ist es ein konkretes Datum mit einer Boardingzeit.
Am Donnerstag war ich nochmal bei meiner Ärztin zum Check-up wegen meines Ohrs. Eigentlich nichts Großes, aber genug, um meinen Kopf wieder in den bekannten „Was ist, wenn…?“-Modus zu schieben. Druckausgleich, Flug, Höhenunterschiede – das volle Programm an Szenarien, die man sich selbst einredet, sobald irgendwo ein kleines Fragezeichen auftaucht.
Sie hat sich alles in Ruhe angeschaut, Fragen gestellt, einen Hörtest gemacht. Sachlich, routiniert, ohne Drama. Und am Ende stand da einfach dieses nüchterne Ergebnis: alles in Ordnung. Kein „Da müssen wir aber aufpassen“, kein „Ich wäre vorsichtig mit dem Flug“. Stattdessen ein „Guten Flug“ und „Schöne Reise“. Mehr braucht es medizinisch nicht. Der Stempel „freigegeben“ ist damit drauf – alles, was jetzt noch bremst, sitzt zwischen meinen Ohren, nicht dahinter.
Warum ich wirklich fliege
Der Punkt ist: Ich fliege nicht nach Uganda, um Urlaub zu machen. Ich fliege, weil meine Verlobte dort lebt. Die letzten Jahre war sie diejenige, die nach Deutschland gekommen ist, die sich auf den Weg gemacht hat, die Distanzen geschluckt hat. Diesmal dreht sich die Richtung um. Ich steige in den Flieger, ich bin der Besuch, ich bin der, der ankommt.
Ursprünglich hatte ich den Trip bewusst nur für eine Woche geplant. Neuer Kontinent, andere Kultur, anderes Tempo – und ich dachte, es wäre vernünftig, erst mal „klein“ zu starten. Eine Woche als Testlauf im Kopf: einmal rüber, schauen, wie sich alles anfühlt, und dann zurück nach Schüttorf.
Mit dem, was dieser Flug mir wirklich bedeutet, funktioniert dieser Urlaubsgedanke aber nicht. Ich fliege nicht hin, um ein paar hübsche Fotos mitzunehmen und danach zu sagen „war ganz nett“. Ich fliege hin, um zu sehen, wie unser gemeinsames Leben aussehen könnte, wenn wir nicht mehr ständig zwischen zwei Welten hin- und herschieben müssen. Es geht darum, wie sich Alltag anfühlt, wenn ich bei ihr bin – nicht nur am Handy, sondern wirklich vor Ort.
Zwischen Kopfkino und Realität
Natürlich meldet sich trotzdem die übliche innere Stimme: Was, wenn ich mich dort verloren fühle? Was, wenn ich mit der kurzen Zeit nicht klarkomme? Was, wenn ich gar nicht richtig ankomme, bevor ich schon wieder weg muss?
Rational ist mir klar: Diese Fragen kenne ich, die stellen sich bei jeder größeren Veränderung. Sie tun so, als wollten sie mich schützen, sind aber meistens nur gut darin, Dinge kleinzuhalten. Der Unterschied diesmal: Es geht nicht mehr darum, ob mir ein Land „gefällt“ oder ob die Reise „sich lohnt“. Es geht darum, einen Schritt in Richtung Zukunft zu machen, den ich sowieso gehen will.
Die eine Woche fühlt sich dann weniger an wie „zu kurz“ und mehr wie ein Start. Ein Anfang, der bewusst begrenzt ist, weil hier in Deutschland Arbeit, Verantwortung und Alltag weiterlaufen, der aber trotzdem groß genug ist, um nicht mehr nur Theorie zu sein. Kein riesiger, perfekt geplanter Neustart, sondern das erste echte Stück Realität: Wir zwei, zusammen, in ihrem Alltag, in ihrem Land.
Und ja, ein Teil von mir ärgert sich trotzdem, dass es nicht direkt länger ist. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, wie schnell sieben Tage vergehen. Du kommst an, brauchst erstmal ein, zwei Tage, um im Kopf hinterherzukommen, gewöhnst dich an Geräusche, Gerüche, Wege – und dann ist der Rückflug schon in Reichweite.
Nur das erste Kapitel
Diesmal hängt aber nicht dieses Gefühl von „Jetzt oder nie“ drüber. Wenn alles so läuft, wie wir es planen, wird das nicht der einzige Flug bleiben. Ich werde nicht „einmal in meinem Leben nach Uganda“ reisen, sondern hoffentlich regelmäßig. Und dann ist diese Woche eben nicht der große, einmalige Moment, sondern das erste Puzzleteil von vielen.
Heute, an diesem Samstag, ist es vor allem eine komische Mischung: To-do-Listen und Emotionen, Adapter und Ladekabel auf der einen Seite, Zukunftsfragen auf der anderen. Was nehme ich mit? Was bleibt hier? Und wie wird es sein, wenn ich in Entebbe aus dem Flieger steige und nicht „Urlaub“ auf mich wartet, sondern meine Verlobte?
Mein Ohr ist freigegeben, der Flug ist gebucht, die Zweifel sind da, aber sie haben diesmal kein Vetorecht. Die eine Woche ist nicht die ganze Geschichte, nur das erste Kapitel, das wir gemeinsam vor Ort schreiben. Und bei allem Kopfkino bleibt unterm Strich etwas, das lauter ist als jeder Einwand: Ich fliege nach Uganda. Zu ihr. Und ich freue mich darauf.

Wenn du alles rund um Uganda, die Reisen, Gedanken und die Schritte Richtung gemeinsamer Zukunft gesammelt lesen willst, findest du den laufenden Überblick hier: meskasblog.de/uganda.