Zeit ist eine Entscheidung

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Schon Einstein erkannte, dass Zeit relativ ist. Ich erinnere mich noch gut an meine Anfangszeit bei der Post, an die ersten Wochen in denen ich allein draußen unterwegs war und daran, dass die Zeit scheinbar wahnsinnig schnell zu vergehen schien. Clever wie ich bin, legte ich mir eine Fitbit-Uhr zu, ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich wirklich so langsam war, dachte irgendetwas müsste nicht stimmen und wollte mich deshalb selbst austricksen.

Bestimmt kennst du das Gefühl, dass die Zeit nicht zu vergehen scheint. Wenn dich etwas ankotzt, scheint die Zeit einfach nicht vorbei zu gehen, du schaust auf die Uhr… eine Minute… tick tack… 2 Minuten, ätzend. Anders verhält es sich, wenn dir etwas Freude bereitet bam zwei Stunden weg. Komisch oder? Wie schon gesagt wollte ich mich mit Hilfe meiner Fitness-Uhr austricksen, ich dachte mir, wenn ich öfter auf die Uhr schaue, würde die Zeit langsamer vergehen – weit gefehlt. 11 Uhr – alles klar, gut in der Zeit *gefühlte 30 Minuten später* 14 Uhr, was?


Ich begriff, dass meine durchdachte Methode nicht funktioniert und verstand, dass mir mein Job einfach Freude bereitet. Es war nicht mehr so wie bei meinen früheren Tätigkeiten, beispielsweise bei meiner Umschulung zum Fachinformatiker, bei der sich die Zeit wie ein Kaugummi zog – es war anders, Tage, Wochen und Monate verflogen und nun sitze ich 3 Jahre später hier und rutsche kommende Woche in das vierte Jahr. Vier Jahre, scheiße… wo ist die Zeit hin?

Zeit ist relativ, doch keine Zeit zu haben ist keine Tatsache, sondern eine Entscheidung.

Zeit zu empfinden ist für jeden Menschen unterschiedlich, klar haben wir alle Uhren, die uns sagen wie spät es ist, doch sie messen nicht die Zeit. Wenn dir jemand sagt, dass er keine Zeit für etwas hat, bedeutet das nichts anderes, als dass er keine Priorität darin sieht. Das wohl beste Beispiel ist Sport, wie oft hast du schon gehört: “Oh ich hab da keine Zeit für…” wusstest aber direkt schon, dass er oder sie einfach keinen Bock drauf hat? Wenn einem etwas wichtig ist, dann nimmt man sich die Zeit – komme was wolle.

Gestern unterhielt ich mich sehr lange über das Thema mit meinem Mäuschen (ich weiß, dass du gerade grinst Nicole) oder eben meiner besten Freundin. Wir drehten uns eigentlich nur im Kreis, waren wie so oft der gleichen Meinung und unterstrichen unseren Standpunkt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Beispiele. Alle Beispiele, die wir aufbrachten, waren eigentlich nichts anderes als ein Sinnbild der Enttäuschung anderer Menschen gegenüber.

Irgendwann schloss ich das Thema dann mit folgender Aussage ab:

“Wenn es dir schlecht geht und du mich brauchst, setze ich mich ins Auto und fahr’ los, vielleicht müsstest du mir noch Geld zum Tanken schicken, aber ich würde mich sofort auf den Weg machen. Scheißegal, ob ich morgen Arbeiten muss oder nicht, ich würde telefonieren, die Situation meinem Chef erklären und mich auf den Weg machen – wo ein Wille, da ein Weg.”

Tatsächlich gab es so eine Situation schon einmal in meinem Leben, damals bin ich gerade auf Arbeit angekommen, war unruhig und bedrückt, sagte meinem Vorgesetzten, dass ich dringend etwas persönliches klären muss und andernfalls auch nicht konzentriert arbeiten kann. Er hat genickt, sagte ich soll vorsichtig fahren, weil er offensichtlich gemerkt hat wie aufgebracht ich war, und ließ mich gehen. Am nächsten Tag wollte er wissen, ob alles geklärt ist, ich bestätigte es und das Thema kam nie wieder zur Sprache.

Wir sind alle Menschen, machen alle Fehler, treffen täglich tausende Entscheidungen und ob wir Zeit haben oder nicht ist eine davon.

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