Ich hatte immer Angst davor, kalt zu werden. Gefühle wegzuschieben, alles nur noch rational zu betrachten, immer „vernünftig“, immer kontrolliert. Lange dachte ich sogar, das sei das Beste: alles und jeden unvoreingenommen sehen, fair bleiben, offen bleiben.
Doch die Wahrheit ist: Ich kann das nur bedingt. Ich bilde mir meine Meinung innerhalb weniger Sekunden. Ein Satz, ein Blick, ein Detail – und plötzlich steht da ein Urteil im Raum, das sich anfühlt wie Gewissheit. Und wenn es erst einmal da ist, bin ich nur schwer bis gar nicht mehr davon abzubringen.
Kurzum: Nach meinem eigenen Anspruch müsste ich alles besser wissen. Meine Eindrücke bestätigen sich ja immer wieder – zumindest fühlt es sich so an. Wie kommt es dann also, dass ich mich in so vielen Dingen trotzdem so schwertue?
Hoffnung? Gewisse Erwartungen, dass es doch anders wird? Keine Ahnung. Schon in meinen Gedanken zu Hoffnung und Erwartungen habe ich gespürt, wie sehr mich genau dieser Zwiespalt immer wieder blockiert.
Rationalität vs. Gefühle
Rationalität ist etwas Schönes. Der Logik folgen, auf Altbewährtes zurückgreifen, sich von Erfahrungen leiten lassen. Wieso Gefahr laufen, wieder enttäuscht zu werden, wenn man es im Vorfeld vermeiden kann?
Gleichzeitig weiß ich, dass Gefühle mich antreiben. Dass ich ohne sie kaum lebendig wäre. Und dass mein „rational“ manchmal gar nicht nur Klarheit ist, sondern auch Schutz. Genau diese Spannung begleitet mich seit Jahren: Kopf will Sicherheit, Herz will Bewegung.
Und bevor hier ein falscher Fokus entsteht: Es geht nicht darum, wer sich angesprochen fühlen könnte. Es ist kein Fingerzeig nach außen. Es ist mein Muster. Wie schon in meinen Texten über innere Konflikte geht es am Ende darum, dass ich mir selbst im Weg stehe.
Selbstwahrnehmung
Es könnte vieles leichter sein, wenn ich von Anfang an auf mich selbst hören würde. Wenn ich diese erste innere Reaktion nicht sofort für Wahrheit halte. Ich weiß das. Ich kann das auch – theoretisch. Wo hängt’s dann?
Vielleicht genau hier: in diesem ständigen Ringen zwischen Kopf und Herz. Zwischen dem Wunsch, mich zu schützen, und dem Wunsch, nicht stehenzubleiben. Und vielleicht ist der eigentliche Punkt nicht, „recht zu haben“, sondern zu merken, was ich gerade verteidige.
Das Video unten passt für mich genau in diese Lücke zwischen Verstand und Gefühl. Nicht als Erklärung, sondern als Stimmung: dieses Ziehen, dieses Innehalten, dieses „ich merke es, aber ich bin noch nicht ganz durch“.
schrieb am 12.02.2018:
Ich musste beim Lesen deines Blogeintrags sehr an das Buch “Thinking fast and slow” von Daniel Kahnemann denken und würde dir das gerne ans Herz legen. Es geht da sehr viel um den Unterschied zwischen Intuition/Bauchgefühl und Logik/Nachdenken und wie sie funktionieren.
Vielleicht kannst du dir da ein bisschen was raus ziehen?!
Beste Grüße und alles Gute
schrieb am 12.02.2018:
Werds mir mal anschauen, danke.