Ich blogge gerade wenig. Vielleicht ist das okay.

Ich blogge gerade wenig.

Das ist jetzt keine dramatische Erkenntnis. Kein großer Wendepunkt. Kein „Ich bin zurück“-Beitrag mit Fanfaren und auch kein Abschied. Es ist einfach nur eine Feststellung.

Der letzte Beitrag ist inzwischen schon wieder Wochen her. Eher zwei Monate. Und wenn ich ehrlich bin, war es davor auch schon nicht mehr wirklich regelmäßig. Mal kam etwas, dann wieder lange nichts. Dann wieder ein Gedanke, dann wieder Pause.

Früher hätte mich das wahrscheinlich mehr gestört. Oder ich hätte zumindest so getan, als müsste ich jetzt dringend wieder irgendeinen Rhythmus finden. Einmal die Woche schreiben. Jeden Monat ein Update. Irgendwas mit Struktur, Plan und Disziplin.

Aber vielleicht ist genau das gerade das Problem.

Der Blog ist manchmal größer als das Schreiben

Eigentlich war Bloggen für mich immer etwas Einfaches. Gedanke da, Text raus, fertig. Nicht perfekt, nicht durchoptimiert, nicht glattgebügelt. Einfach raus damit.

Inzwischen hängt aber gefühlt an jedem Beitrag mehr dran.

Titel. Meta-Description. Kategorie. Fokus-Keyphrase. Lesbarkeit. Interne Links. Bild. Bildbeschreibung. Vielleicht noch ein passender Fediverse-Text. Vielleicht noch schauen, ob der Beitrag irgendwo in die alte Blogstruktur passt. Vielleicht noch überlegen, ob das Thema überhaupt relevant ist.

Und dann sitzt man da mit einem eigentlich einfachen Gedanken und macht im Kopf direkt ein Projekt daraus.

Das killt ein bisschen den ursprünglichen Impuls.

Nicht, weil diese Dinge falsch sind. Im Gegenteil. Ich will ja, dass der Blog sauberer wird. Ich will, dass alte Texte besser lesbar sind. Ich will, dass das hier nicht einfach nur ein chaotischer Haufen aus über zehn Jahren Internetleben bleibt.

Aber manchmal wird aus „ich schreibe mal eben auf, was mich beschäftigt“ plötzlich „ich müsste eigentlich mal wieder ordentlich bloggen“.

Und „müsste“ ist selten ein guter Anfang.

Es passiert nicht nichts

Das Komische ist: Es passiert ja nicht nichts.

Im Gegenteil. Es passiert sogar ziemlich viel. Arbeit, Alltag, Gedanken, Pläne, Müdigkeit, kleine Fortschritte, Rückschritte, Wohnung, Zukunft, Körper, Geld, Beziehung, Familie irgendwann vielleicht. Dieses normale Leben halt, das selten sauber in Kapitel passt.

Aber nicht alles davon wird automatisch zu einem Beitrag.

Manche Dinge sind zu roh. Manche zu langweilig. Manche zu nah dran. Manche beschäftigen mich zwar, aber ich habe noch keinen klaren Gedanken dazu. Und manchmal fehlt mir einfach die Energie, aus einem Gefühl einen Text zu machen.

Das ist vielleicht der ehrlichste Punkt: Ich habe nicht unbedingt keine Themen. Ich habe eher gerade wenig Lust, sie in eine Form zu zwingen.

Und vielleicht muss ich das auch nicht immer.

Kein Neustart, eher ein leiser Zwischenstand

Ich mag diese klassischen Neustarts nicht.

„Ab jetzt wieder regelmäßig.“

„Jetzt kommt hier wieder mehr.“

„Ich habe einen Plan.“

Kann man alles schreiben. Klingt auch kurz motiviert. Aber meistens ist es eher ein Vertrag mit dem schlechten Gewissen. Und auf sowas habe ich gerade wenig Lust.

Deshalb ist das hier kein Neustart.

Es ist eher ein leiser Zwischenstand.

Ich bin noch da. Der Blog ist noch da. Die Lust ist nicht komplett weg, aber sie ist gerade nicht all zu laut.

Vielleicht reicht das ja erstmal. Vielleicht muss ein persönlicher Blog auch nicht immer aktiv sein wie ein Kanal, der ständig bespielt werden will. Vielleicht darf er auch einfach mal rumliegen. Wie ein Notizbuch auf dem Schreibtisch. Man sieht es, man weiß, dass es da ist, aber man schreibt nicht jeden Tag rein.

Und irgendwann nimmt man es wieder in die Hand.

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2 Kommentare

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  1. Die Schattenspringerin

    Danke. Das Gefühl kenne ich gut und auch den inneren Kampf, den man mit sich ständig führt, dass es sooo viel zu sagen/schreiben gäbe, es sich aber nicht in Worte fassen lässt. Und Stille ist ja nicht immer die Abwesenheit von Worten.
    LG, Kerstin

    • Eric

      Das ist richtig. Manchmal fehlt mir auch einfach nur die Kraft und ich schau dann einfach nur auf den Bildschirm, ohne dass was passiert.

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