Im Trott gefangen

I

Ich gehöre zu den Menschen, die fortlaufend Veränderung brauchen… schleicht sich einmal der Alltagstrott ein, neige ich recht schnell dazu in Depressionen abzurutschen.

Das Leben ist Veränderung

Wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann ist es für mich selbst einzustehen. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich beispielsweise so lange an Beziehungen festhielt, bis mein Gegenüber sie beendete. Nicht gerade die feine, englische Art – ich weiß.


Nichts desto trotz war es für mich so leichter… dachte ich. Tatsächlich blendete ich systematisch die Tage, Woche, Monate, vielleicht sogar Jahre davor aus, in denen es mir echt beschissen ging.

Vergangenes Jahr änderte sich das. Zwar zögerte ich zunächst wieder viel zu lange, traf letztlich dann doch die richtige Entscheidung. Mit der Beendigung der letzten Beziehung entwickelte ich mich weiter, ich verstand, dass es nichts bringt sich zu etwas zu zwingen, da man dadurch über kurz oder lang nur auf das Unvermeidliche zusteuert.

Für sich selbst einstehen

Mir geht es nach wie vor so, dass ich oft nicht genau weiß was ich möchte. Allerdings kann ich inzwischen ganz klar sagen was ich nicht (mehr) will. Das wiederum ist für mich ein riesiger Meilenstein in meiner persönlichen Entwicklung. Nun mag man eventuell denken was mir das bringt, denn nur weil ich inzwischen weiß was ich nicht möchte, weiß ich ja noch lange nicht was ich möchte…

Naja, dadurch, dass ich sagen kann was ich nicht will, ergibt sich das was ich möchte ganz automatisch.

Nehmen wir als Beispiel meine vergangenen Beziehungen:

Ich möchte niemanden, der mich betrügt – bedeutet letztlich, dass meine zukünftige Freundin treu sein soll. Ich möchte niemanden, der sich mir gegenüber verschließt – bedeutet offene Kommunikation, usw.

Ähnlich verhält sich das mit der Arbeit. In Spanien habe ich gelernt, dass ich nicht den ganzen Tag drin sein möchte. Schließlich suchte ich mir einen Job, bei dem ich viel draußen unterwegs bin. Nun weiß ich, dass ich besser vor Regen, Schnee, etc. geschützt sein möchte. Ich weiß, dass meine Arbeit nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden soll.

Ich will nicht mehr freitags erfahren, wie ich die Woche darauf arbeite… und so viel mehr. Unregelmäßige Arbeitszeiten, Dauerbelastung, keine Lebensplanung, null Work-Life-Balance… etc.

Ich bin jetzt 34 Jahre alt und muss noch mindestens genau so lange arbeiten, also wenn ich mich jetzt nicht umschaue, wann dann?

Zu neuen Ufern

Vor rund einem halben Jahr, nachdem ein Kollege gekündigt hat, ließ ich schon verlauten, dass ich der Nächste sein werde. Wie üblich wartete ich wieder viel zu lange. Noch eine Chance und “es wird schon wieder besser werden!?” – wem mache ich denn etwas vor? Ich weiß, dass es nicht mehr besser wird. So wie ich das auch bei meinen Exfreundinnen wusste. Natürlich kann man sich noch irgendwie motivieren und hoffen, aber Hoffnung bringt nichts, wenn sie einseitig ist.

Ich bin nur eine Nummer unter Tausenden. Ein kleines Rädchen in einem verkorksten System. Ich kann das System nicht ändern, so wie ich andere Menschen nicht ändern kann. Was ich jedoch tun kann ist mich selbst zu ändern, anzupassen, zu gehen.

In diesem Sinne:

Das Leben ist Veränderung

sprach der Stein zur Blume und flog davon.

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