Einordnung aus heutiger Sicht: Dieser Beitrag stammt aus einer sehr rohen Phase meines Lebens. Einige Formulierungen spiegeln Wut, Verletzung und damalige Gedanken wider, nicht zwingend meine heutige Sicht.
Vor rund vier Monaten schrieb ich meinen vorerst letzten Beitrag. Seither ist viel passiert. Und auch wenn ich der Meinung war, dass ich nie wieder bloggen werde, so entschloss ich mich dazu, mein Schweigen zu brechen.
Wie gesagt, es ist viel passiert.
Wir stehen kurz vor Jahresende und ganz ehrlich: Das Jahr war beschissen. Es gibt nichts mehr, was ich schönreden könnte, sodass ich jetzt zu einem Abschluss kommen möchte. Wer jetzt in erster Linie an diese ganze Corona-Scheiße denkt, dem soll gesagt sein, dass die Pandemie nur ein nicht nennenswerter Bruchteil dessen ist, was mich in den vergangenen Monaten beschäftigt hat.
Bereits gegen Anfang des Jahres, als die ersten Maßnahmen beschlossen wurden, hat mich ein damaliger Arbeitskollege gefragt, was ich denken würde, wie lang sich das Ganze ziehen wird. Meine Antwort war: zwei bis drei Jahre. Damals hatte ich das absolut nüchtern mit einem Schulterzucken gesagt. Er hat mich belächelt, aber hey … ganz logisch. Das erste Jahr haben wir hinter uns und zwei weitere kriegen wir auch noch hin.
Idiocracy – toller Film. Aktuell steht noch „Komödie/Sci-Fi“ als Genre in der Beschreibung, aber ich bin der Überzeugung, dass sich das irgendwann in „Dokumentation“ ändern wird.
Gut, es war nicht alles scheiße dieses Jahr. Tatsächlich habe ich inzwischen eine verdammt gute Freundin. Einen Menschen, den ich schon 13 Jahre kenne. Ich war immer der Meinung, dass wir uns verdammt ähnlich sind. Genau das hat sich in den vergangenen Monaten auch für sie bestätigt.
Eine gute, neue alte Freundin
Genau genommen ist sie die Ex-Verlobte eines Ex-Freundes von mir. Damals ist mir schon aufgefallen, dass wir sehr viele Parallelen in Bezug auf Denkansätze, Verhalten usw. haben, was mitunter der Grund war, dass ich sie am Tiefpunkt meines Lebens um Hilfe bat. Sie half mir und hatte dadurch damals schon einen recht hohen Stellenwert bei mir.
In den vergangenen Wochen und Monaten ist ihr Stellenwert in meinem Leben weiter nach oben geschossen. Erst neulich durften wir feststellen, wie wichtig wir uns gegenseitig geworden sind. Wir reden täglich wahnsinnig viel, manchmal nur fünf Minuten, gelegentlich jedoch auch zwei, drei, vier Stunden.
Dabei haben wir eine sehr spezielle Art der Kommunikation: Sprachnachrichten. Mal fünf, mal zehn, mal 50 Minuten. Vorteil des Ganzen ist, dass man sich alles von der Seele reden kann. Beim Schreiben kann man vieles missinterpretieren. Wenn man redet, fällt das zum Großteil flach.
Nachteil ist, dass vieles auch einfach unter den Tisch fällt, weil man die Fülle der Informationen gar nicht behalten kann. Auf der anderen Seite bleibt nur das Wesentliche hängen, was wiederum ein Vorteil sein kann. Darüber hinaus ist es oft ausreichend, dass man seinen Kummer ausgesprochen und damit losgeworden ist.
Manchmal kann es schwierig sein, sich mit mir zu unterhalten, also in einem „normalen“ Gespräch, weil ich oft meine eigenen Eindrücke oder Erfahrungswerte direkt reinwerfe, was wiederum das Endergebnis verfälscht. Kann bei dieser Art der Kommunikation nicht passieren.
Wie dem auch sei, ich möchte nicht weiter auf die Art und Weise eingehen, wie wir kommunizieren, sondern vielmehr darauf, dass es uns beiden guttut. Sehr sogar. Tatsächlich hat sie mich zwischendrin auch gefragt, wie ich meine Probleme jetzt verarbeite, da ich ja nicht mehr bloggen möchte … aber dazu später mehr.
Es ist noch gar nicht so lange her, da mussten wir feststellen, dass sich einige Themen wiederholen. Sie sagte dann, dass das gar kein Problem ist, denn schließlich beschäftigen uns die Dinge und deswegen kommen sie immer wieder auf. Anschließend kam eine Aussage, die mir inzwischen die Welt bedeutet, weil ich auch weiß, dass sie ernst gemeint ist.
Sie hat mir gesagt, sie hört mir so lange zu, bis ich damit abschließen kann, ich für mich oder wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben.
Wow. Beruht auf Gegenseitigkeit und ja … es gibt inzwischen ein paar Themen, die uns vielleicht beide etwas nerven, aber auch das gehört dazu. Manchmal geht man sich eben auf den Sack, doch wir wissen, was dahintersteckt und wie sehr uns manche Dinge verletzt haben.
Kaputtdenken … hm, können wir beide eigentlich ganz gut. Aber genau deswegen bin ich ursprünglich mit der Idee aufgekommen, die Last an den anderen abzugeben. Sie trägt meine Probleme und ich ihre. Mit den Angelegenheiten anderer kann man immer leichter umgehen als mit den eigenen.
Als ich mich viel mit meiner Mutter unterhielt, hat sie schließlich zu mir gesagt, dass ich immer wieder das Gleiche sagen würde. Ja … weil sie eben nicht verstanden hat, wie sehr mich alles belastet und dass ich ausschließlich auf der Suche nach einer zufriedenstellenden Antwort bin. Auch auf die Gefahr hin, dass ich diese niemals erhalten werde.
Dennoch ist es wichtig, darüber zu reden, selbst wenn es 100 oder 1.000 Mal ist. Irgendwann findet man die Antwort oder das, was dem am nächsten kommt. Oder vielleicht lernt man auch einfach nur, das zu akzeptieren, was man schon so lange weiß.
Früher hab’ ich öfter zu meiner neuen Besten gesagt, dass wir miteinander schlafen sollten. Inzwischen mach’ ich das nicht mehr, weil ich weiß, dass das, was wir haben, so viel mehr wert ist.
Ein paar Tage offline
Vor ein paar Wochen benötigte ich eine Auszeit. Ich schrieb auf Facebook, besagter Freundin, ein paar Bekannten und meinem Dad, dass ich mein Handy für acht Tage offline nehmen werde. Gründe nannte ich nicht, doch tatsächlich war es so, dass alles zu viel war. Jede Menge Arbeit, privat einiges zu tun, Dinge, über die ich mir ohne digitale Einflüsse klar werden wollte. Es hat funktioniert, zumindest vorerst.
Irgendwann bin ich dann abgesackt. Mir ging es plötzlich so scheiße, dass ich mein Handy wieder ans Netz hing, um ihr eine Nachricht schicken zu können. Ich fuhr mich selbst fest und wusste, dass ich da ohne Hilfe allein nicht mehr rauskomme. Auch wenn ich schrieb, dass ich acht Tage offline bleibe, so ging es nach der Hälfte schon nicht mehr. Doch mir war klar, dass ich Hilfe brauche und ich wusste eben auch, wo ich sie herbekomme.
Schön war es dann zu hören, dass ich vermisst wurde, und das, obwohl es nur vier Tage waren. Aber irgendwann gewöhnt man sich eben an gewisse Dinge: eine Gute-Morgen-Nachricht nach dem Aufstehen, das Gute Nacht vor dem Schlafengehen und zwischendrin ein einfaches: „Alles wird gut.“
Ich musste nachdenken, benötigte Zeit für mich … Schwerpunkt Beziehungen, die vergangene Beziehung und mein damit verbundener Entschluss, allein zu bleiben, weil die paar schönen Momente bisher noch nie die ganze Scheiße wiedergutgemacht haben, die danach kam.
Vielleicht ist die Entscheidung falsch, doch ich sehe es ganz rational. In der Vergangenheit hielt ich immer an den guten Dingen fest, doch auf drei gute Momente kommen 30 schlechte. Ist es das also wert? Ist es das wert, zu leiden, zu denken, sich kaputtzumachen … für diese paar schönen Momente? Ist es das wert? Mein Kopf sagt nein, mein Herz sagt ja und mein Bauch ist nach wie vor unentschlossen.
Ich folge meinem Kopf, weil ich inzwischen davon ausgehe, dass die Gedanken, die ich mir über die Menschen in meinem Leben mache, nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. Man wird einfach weggedrückt, ausradiert, ersetzt … kein Gedanke mehr an mich verschwendet. Springt einfach in die nächste Beziehung … Gott, es gibt keinen größeren Schlag ins Gesicht als das.
Keinen größeren Schlag ins Gesicht, als einfach ersetzt zu werden. Und es beinhaltet so viel, so verdammt viel … es ist ja auch nicht das erste Mal, dass mir so was passiert. Was bedeutet das jetzt? Dass mein Gegenüber schon lange mit mir abgeschlossen hat? Es nie wirklich ernst mit mir gemeint hat? Dass sie ’ne Schlampe ist, was mich wiederum an mir und meiner Menschenkenntnis zweifeln lässt? Dass sie sich trösten will, was unfair dem Nächsten gegenüber ist … oder, oder, oder.
Kurzum: Der Gefickte ist immer der, der ersetzt wird.
Ich dachte eigentlich, es wäre leichter, wenn ich die Beziehung beende, bevor sie die Gelegenheit dazu hat. Übrigens das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Beziehung beendet habe. Dachte, es wird so leichter … einen fetten Scheiß. Und sie versteht nicht einmal, wieso ich es getan habe. Weil ich ihr Wohl über mein eigenes gestellt hab’.
Ich krieg’ nicht mal ein Danke für alles, was ich auf mich genommen habe. Im Gegenteil, es wird noch aufgerechnet, um vom eigenen Fehlverhalten abzulenken. Und trotzdem fehlt sie mir. Wieso? Weil ich mich in eine Illusion verliebt habe? Ich nicht akzeptieren kann, dass ich mich so maßlos getäuscht habe? Weil ich Angst davor hab’, dass es eine Fehlentscheidung war? Oder weil ich mir eingestehen muss, dass ich von Anfang an recht gehabt habe: Man kann ein Mädchen aus der Gosse holen, aber die Gosse nicht aus dem Mädchen.
Meine Mutter meinte, dass ich die falschen Fragen stelle. Ich sollte mich fragen, wieso ihr Ex sie geschlagen hat, wieso der andere Ex sie rausgeschmissen hat usw. Ich konnte mich am Ende schließlich selbst nicht mehr erkennen. Und wieso? Weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Weil ich einfach nur enttäuscht war: von ihr, von mir, von allem.
Wenn sie sich natürlich überall so verhalten hat, ist es auch kein Wunder, dass es so gelaufen ist. Doch vielleicht hat sie es inzwischen kapiert. Schlecht für mich, gut für den Nächsten. Vielleicht ist es einfach meine Aufgabe, meine Weiber auf ihre nächste Beziehung vorzubereiten, was mich direkt zum nächsten Thema führt.
Der ewige erste Freund
„Die ewige erste Freundin“ hat es meine inzwischen beste Freundin genannt. Oder eben „der ewige erste Freund“ in meinem Fall.
Nach dem Entschluss, allein zu bleiben, bin ich irgendwann darauf gekommen, dass es meine Bestimmung in dieser Welt ist, meine Partnerinnen auf ihre nächste Beziehung vorzubereiten.
Meine tatsächlich erste Freundin hat mir mal gesagt, dass sie immer wusste, dass ich nicht der Mann fürs Leben bin. Aber hey, wie oft passiert das denn in der realen Welt? Von daher war das nicht weiter tragisch und irgendwo wusste ich es ja auch.
Hm. Vielleicht war es bislang wirklich meine Aufgabe, selbst auf der Strecke zu bleiben, damit andere glücklich werden können. Meine Beste ist von sich der gleichen Meinung. Sie nannte es „die ewige erste Freundin“. Es geht dabei jedoch nicht um die erste Freundin, den ersten Freund im wörtlichen Sinn, sondern eben in Bezug auf „erwachsene“ Beziehungen.
Wir „führen“, „formen“ und „leiten“, bis wir schlussendlich wieder allein sind. Die anderen heiraten, kriegen Kinder, sind scheinbar glücklich und wir bleiben auf der Strecke. Alles, was man sich erhofft oder versucht hat zu erreichen, funktioniert auf einmal in der nächsten Beziehung?! Und dann raffen sie nicht einmal, woher der Input kam … „Jeder Mensch ändert jeden Menschen jeden Tag.“ und „Menschen ändern sich nicht.“ Meine zwei Lieblingssprüche. Scheinbar widersprüchlich, doch wenn man drüber nachdenkt, ergibt es schon Sinn.
Ich hatte jetzt tatsächlich die Gelegenheit, direkt etwas Neues anzufangen. Wollte ich nicht, weil das Alte erst einmal verarbeitet werden muss und weil so viele Faktoren dagegen und nur einer dafür gesprochen hat. Ich mein, Sex, okay … hätte ich haben können, wollte ich nicht. Und alles, was ich am Anfang, als wir uns kennengelernt haben, so süß fand, hat mich irgendwann nur noch genervt. Übrigens auch ein Grund für meine Auszeit.
Sie hat alles darangesetzt, dass sie mir gefällt, wollte es mir in jedem Punkt recht machen, hat mir gesagt, wie wichtig ich ihr bin. All das hat schlussendlich bloß zum Gegenteil geführt, sodass ich den Kontakt schließlich abgebrochen habe.
Es hat nicht auf Gegenseitigkeit beruht und lieber schmerzt es am Anfang etwas als später dann noch mehr. Darüber hinaus brauche ich niemanden, der es mir immer recht machen will, zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt. Ich brauche jemanden, die mir Kontra geben kann, deren Charakter schon geformt ist, die weiß, was sie möchte und was sie vom Leben zu erwarten hat. Hatte ich tatsächlich lediglich einmal, habe ich weggeschossen, weil ich damals nicht wusste, was ich wollte.
Verdammt scheiße.
Wie dem auch sei, bei „Ja und Amen“ habe ich Größe gezeigt. Offen und ehrlich alles erklärt, weil ich sie nicht verarschen wollte. Ich wurde selbst so oft verarscht, gefriendzoned, ausgenutzt … ich weiß, wie es ist, und das möchte ich niemand anderem antun.
Irgendwann kommt sie darüber hinweg. Höchstwahrscheinlich wesentlich schneller als erst in ein paar Jahren, wenn ich den Kontakt beibehalten hätte. Und auch wenn es mir im Moment etwas leidtut, so weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war.
Richtige Entscheidung … hm. Zugegeben, ich traf viele falsche Entscheidungen in meinem Leben und vor allem in dem vergangenen Jahr. Allerdings auch ein paar gute. Die beste davon betraf ausgerechnet mein Auto.
Mehr als nur ein Auto
Trennungen sind scheiße. Nach jeder Trennung fühlte ich mich bisher wahnsinnig fehlplatziert, spürte nur Leere im Inneren, musste scheinbar neu lernen zu leben. Einfache Dinge sind mir dann immer wahnsinnig schwergefallen und tun es teilweise immer noch. In einer Beziehung verliert man immer etwas Selbstständigkeit, weil man sich auf den anderen verlässt.
Bevor ich mit meiner Ex zusammengezogen bin, machte ich mir einige Gedanken. Mir wurde recht schnell klar, dass es unsinnig ist, zwei Autos zu haben. Schließlich kann ich ohne Probleme mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und für Einkäufe und Familienbesuche wäre ja noch ein Auto übrig.
Logisch war es, mein Auto wegzugeben. Immerhin hatte ich meinen Führerschein deutlich später gemacht, war höher eingestuft und musste höhere Beiträge zahlen. Also gab ich mein Auto weg. Fehler.
Bereits damals wurde ich in dem Punkt abhängig von ihr. Was an und für sich kein Problem war, weil ich ihr Auto jederzeit nutzen konnte. Allerdings hat es sich befremdlich angefühlt. Es war einfach nicht das Gleiche, wie im eigenen Auto durch die Gegend zu fahren.
In den Monaten ist mir aufgefallen, wie sehr mir ein eigenes Auto fehlt. Wie sehr es mir fehlt, einfach durch die Gegend zu fahren und den Kopf frei zu kriegen. Wie schon gesagt, ich hätte ihr Auto nehmen können. Doch was bringt es mir, in ihrem Auto zu sitzen, wenn sie das größte Problem ist? Richtig, gar nichts.
Tatsächlich mietete ich mir gegen Ende Autos … halt, streich Autos. Ich mietete mir MINIs. Ein MINI ist kein Auto. Es ist ein Lebensgefühl und jeder MINI-Fahrer wird mir da recht geben.
Als die Beziehung in die Brüche ging, rief ich meine Mutter an. Einfach um in erster Linie nicht allein zu sein und um ein Auto zur Verfügung zu haben. Alles irgendwie durchdacht. Schließlich stand mein Jahresurlaub an. Drei Wochen zu Hause? Gott, nein. Ich hätte mir wahrscheinlich etwas angetan, denn immerhin fällt es mir heute noch schwer, nach Hause zu kommen.
Meine Mutter und ich schauten uns also nach Autos um. Es waren einige Gebrauchtwagen, aber keiner hatte dieses gewisse Etwas. Ich erinnerte mich an die schönen Stunden in den verschiedenen MINIs, die ich gefahren bin. Und während ich mit meinen Gedanken abgedriftet bin, stand sie plötzlich da:
Meine Kleine. Liebe auf den ersten Blick. Ich musste den MINI einfach haben. Ich versuchte mir jedoch nichts anmerken zu lassen und so schauten wir uns noch nach anderen Autos um. Irgendwann meinte meine Mutter dann zu mir, dass ich mich doch schon lange entschieden habe. Und sie hatte recht. Ich wusste, was ich wollte: den kleinen MINI R50, meine neue Freundin.
Bis der Handel abgeschlossen war, fuhr ich nahezu jeden Abend beim Händler vorbei. Es war noch nicht sicher, ob ich den MINI kriegen würde oder nicht, doch ich habe es mir so gewünscht.
Tatsächlich kann ich mich an nichts in meinem Leben erinnern, das ich so gern wollte wie dieses Auto. Materielle Dinge hatten für mich noch nie einen hohen Stellenwert. Allerdings ist dieser MINI inzwischen so viel mehr für mich. Und bei Gott, es war die beste Entscheidung dieses Jahr oder vielleicht sogar in meinem ganzen Leben, die Süße zu kaufen. Wie schon gesagt: meine neue Freundin.
Ich und mein MINI
Ich bin es gewohnt, allein zu sein. Dass niemand da ist, wenn es mir mal wieder wirklich beschissen geht. Und das ist schon okay. Immerhin tat ich auch nie etwas dafür, versteckte mich hinter dem PC, so wie ich es in meinem letzten Beitrag beschrieb, und dachte, ich müsste alles mit mir selbst klären.
Flucht vor dem Leben. Angst, verletzt zu werden. Angst, enttäuscht zu werden. Ich bin’s so leid inzwischen. Anders ist es, wenn ich in meinem MINI sitze. Ich meine, mehr als 10.000 km in rund drei Monaten sprechen wohl für sich. 4.000 davon bin ich in meinem Urlaub gefahren und davon wiederum knapp 1.300 an einem Tag. Ziemlich genau sogar. 10 Uhr losgefahren, 10 Uhr wiedergekommen, mit Tränen in den Augen am Boden zerstört.
Allerdings ist das jetzt nicht das Thema in diesem Abschnitt, sondern eben meine neue Lebensgefährtin.
Manch einer mag mich für bekloppt halten, weil ich von meinem MINI spreche, als sei es eine Person, als hätte sie eine Seele. Und irgendwo hat die Kleine das auch. Inzwischen führte ich schon viele Gespräche mit ihr und das ohne je eine Antwort zu erhalten.
Neue Rituale haben sich in den vergangenen Wochen eingeschlichen, wie beispielsweise ein Gute-Nacht-Küsschen aufs Dach oder ein herzhaftes „Guten Morgen“ vor dem Weg zur Arbeit. Es ist schon ein paar Tage her, da schrieb ich einer Bekannten, dass ich eben meine Süße noch in die Garage stellen muss. Als Antwort kam, dass sie hofft, dass ich von meinem Auto spreche. Ich muss immer noch lachen, wenn ich dran denke. Und natürlich sprach ich von meinem Auto. Oder eben meinem MINI.
Hätte nie gedacht, dass ich irgendwann einmal eine so intensive Bindung zu einem Gegenstand aufbaue. Oder zu überhaupt irgendwas. Tatsächlich denke ich inzwischen sogar, dass man von Liebe sprechen kann. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie sehe. Ganz egal ob morgens, abends, vor oder nach dem Zustellen, wenn ich bei einer Freundin auf dem Balkon sitze und zum Parkplatz schaue oder selbst nach dem Einkaufen, wenn ich wieder zu ihr zurücklaufe. Jedes Mal, wenn ich meinen MINI sehe, bin ich glücklich.
So ein Gefühl hatte ich noch nie und scheinbar bin ich damit auch nicht allein. Denn ich bin inzwischen ziemlich vielen Gruppen und Foren beigetreten und überall steckt diese Leidenschaft drin. Wer MINI fährt, liebt sein Auto. Ich möchte hier keine Werbung für BMW machen oder so, aber MINI ist schon verdammt geil.
Es ist auch nicht verwunderlich, dass ich so eine intensive Bindung aufgebaut habe. Schließlich war sie da, als sonst niemand greifbar war. Hat mir geholfen, den schlimmsten Tag meines Lebens zu überstehen. Besagte 1.300 km von weiter oben. Und mein Gott, in diesem Auto habe ich zu mir selbst gefunden.
4.000 Kilometer
Nachdem ich meinen Jahresurlaub hinter mir hatte, entschloss ich mich, meine Eindrücke niederzuschreiben. Ich fing an, ein Buch mit dem Titel „4.000 Kilometer“ zu schreiben, verwarf es wieder, schrieb es neu. Inzwischen liegt es auf meiner Festplatte mehr oder weniger fertig, doch ich bin nicht zufrieden.
Eigentlich wollte ich es kommenden Monat als E-Book veröffentlichen. Im Moment bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Ich mein, in den 4.000 km allein auf der Autobahn hatte ich so viel Zeit nachzudenken. Über mich, die Vergangenheit und Zukunft. Wahnsinnig viele Eindrücke. Und das, was ich hier in diesem Blogbeitrag schreibe, ist nur ein Bruchteil dessen, was in meinem Büchlein steht.
Ich fand zu mir selbst, lernte klar zu definieren, was ich möchte, und es laut auszusprechen. Führte Selbstgespräche, lachte und weinte. Die letzte Beziehung ist bei Weitem noch nicht verarbeitet, wobei ich es inzwischen gar nicht mehr Beziehung nennen möchte. Denn mir ist auch klar geworden, was ich von einer Beziehung, einer Partnerschaft erwarte.
Tatsächlich wusste ich das schon immer. Durfte mir schon mehrmals anhören, dass ich eine ganz vernünftige Einstellung hätte, dass ich ein guter Kerl bin und wieso ich immer an solche Fotzen gerate?!
Ziemlich direkt nach der Trennung kam eine von den älteren Kolleginnen auf mich zu, nahm mich plötzlich in den Arm und drückte sich an mich, schaute mir in die Augen und sagte: „Du großer, armer Teddybär …“ Ich war verblüfft, denn immerhin hatte ich nie etwas verlauten lassen. Scheinbar sieht man mir wirklich an, was in mir vorgeht.
Wochen später unterhielt ich mich mit einer anderen Kollegin. Sie schüttelte nur den Kopf, wollte wissen, wieso mir so was immer passiert und dass ich aufhören soll, die Fehler bei mir zu suchen. Aber ganz ehrlich, ich muss doch ein Idiot sein, dass mir immer wieder das Gleiche passiert. Wie soll ich mich denn weiterentwickeln, wenn ich die Fehler nicht bei mir suche?
Klar ist es leichter, mit dem Finger auf andere zu zeigen, auch wenn dabei immer drei Finger auf einen selbst zeigen. Doch so bin ich eben nicht. Ich zeige auf mich und merke dabei gar nicht, dass die drei anderen von mir wegzeigen.
Eine Sache habe ich jedoch inzwischen verstanden und ich bin echt froh drum.
Hör auf, dich nach unten zu orientieren
Durch die Gespräche mit meiner Besten und verdammt viel Zeit allein ist mir etwas klar geworden: Ich orientierte mich bislang immer nach unten. Meine Partnerwahl ist schlichtweg oberflächlich gewesen: Kann ich haben, nehm’ ich. Fertig.
Natürlich gibt es einen gewissen Typ Frau, auf den ich stehe. Allerdings war ich immer der Meinung, dass meine Vorstellungen oder Erwartungen utopisch sind. Also fing ich irgendwann an, meine Erwartungen runterzuschrauben. Eric, hör auf damit. Schöne Augen, schönes Lächeln, Bauch, Arsch … fertig. Will mich, nehm’ ich. Wie schon gesagt.
Wo soll das denn hinführen? Ich nehme jemanden, weil es einfach ist. Such mir kaputte Weiber aus, um von mir selbst abzulenken, und das nur, weil ich mit mir selbst unzufrieden bin. Oder war.
Kennst du das, wenn du immer wieder dasselbe tust und ein anderes Ergebnis erwartest? Dumm, oder? Ich mein, wenn man weiß, dass es scheiße wird, wie kann man dann so arrogant sein und sich anmaßen, dass man etwas ändern könnte? Hohl, oder?
Will sagen: In einer Beziehung sollte man sich gegenseitig Halt und Unterstützung bieten, offen und ehrlich über alles reden. Und ja, ich weiß, ich war auch nicht immer so. Ich verstehe, wie es ist, wenn man sprechen möchte, es aber nicht kann. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass der Leitspruch einer Beziehung, einer Partnerschaft sein sollte: Du und ich gegen den Rest der Welt.
Da kann es nicht sein, dass, wenn ich mit 42 °C Fieber im Bett liege und nach einem Wadenwickel frage, ein Augenrollen und widerwillig halbnasse Handtücher an die Beine geklatscht bekomme. Oder wenn ich frage, wie viele Raten für das Auto noch offen sind, ein „Kann dir doch egal sein.“ als Antwort erhalte.
Wie schon gesagt, man kann ein Mädchen aus der Gosse holen, aber die Gosse nicht aus dem Mädchen. Es fällt mir nach wie vor schwer zu akzeptieren, dass ich nicht der Schuldträger bin. Oder damit aufzuhören, mir den Kopf zu zerbrechen. Was hätte ich denn noch alles machen sollen? Das Problem ist, wenn der andere nicht möchte, kannst du dich drehen und wenden, wie du lustig bist. Es kommt einfach nichts bei rum.
Ich war so verzweifelt, weil ich wollte, dass es funktioniert. Aber sie wollte nicht. Sie wollte nie. Und das muss ich endlich verstehen und akzeptieren. Wie heißt es so schön: Gib mir die Kraft, die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann.
Erst jetzt verstehe ich, was meine große Liebe damals alles auf sich genommen hat, damit es mit uns weiter funktioniert. Und ich konnte nicht. Ich wollte nicht. Denn hätte ich gewollt, hätte ich gekonnt.
Und das ist die Lektion, die ich ins kommende Jahr mitnehme: Wenn ich will, dann kann ich.
Jetzt ist gut
Morgen ist Weihnachten und ich dachte eigentlich, dass ich diesen Beitrag nie zu Ende kriege. Aber ich denke, für den Moment ist alles gesagt. Der Knoten ist geplatzt.
Danke fürs Lesen, schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und wer weiß, vielleicht folgen ja doch noch weitere Beiträge. Wenn sich’s gut anfühlt, dann tu’s. Und wenn du willst, dann kannst du.
Und niemals vergessen:

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“
Oscar Wilde
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