Am Anfang ist alles gut

In letzter Zeit kommt immer wieder ein Thema beziehungsweise eine Aussage auf: „Am Anfang ist alles gut.“

Es ging dabei in erster Linie um das Kennenlernen neuer Menschen, aber auch um meinen neuen Job. Eine Freundin hat mir vor ein paar Wochen gesagt, dass ich in der vergangenen Beziehung gar nicht über die Kennenlernphase hinausgekommen bin.

Ich konnte ihr nicht ganz folgen. Also vertieften wir das Gespräch.

Ich konnte nicht nachvollziehen, was Yvonne meinte, da ich der Meinung war, dass ich mich von Anfang an immer so gebe, wie ich bin. Sie erklärte mir, dass man sich am Anfang ganz bewusst oder unbewusst meistens nur von der besten Seite zeigt.

Ich dachte darüber nach und gab ihr irgendwann recht. Ich bestätigte sie mit der Aussage, dass sich alle meine Partnerinnen erst am Ende von ihrer „besten“ Seite gezeigt haben.

Die Aussage, dass am Anfang immer alles gut ist, beschäftigte mich noch ein paar Tage. Irgendwann hinterfragte ich mich selbst und wollte wissen, ob ich wirklich so naiv war. Doch statt wie üblich im Selbstmitleid zu versinken und mit dem Finger auf „die blöde Kuh“ zu zeigen, nutzte ich die Erkenntnis, um mich weiterzuentwickeln.

Ich hatte immer Angst davor, dass ich irgendwann nicht mehr in der Lage bin, Freude zu empfinden, wenn ich meine Erwartungen zu weit runterschraube. Wenn man meinen Blog der letzten zehn Jahre durchblättert, wird man sehen, dass genau das immer wieder mein Problem war.

Miriam, die mir sehr in meiner persönlichen Entwicklung weitergeholfen hat und sich, genau wie Yvonne und viele meiner anderen Freunde, wirklich um mich sorgt, meinte neulich erst, dass sich Dinge und Situationen so lange wiederholen, bis man daraus gelernt hat.

Ich hielt mich immer für besonders intelligent. Anscheinend bin ich das aber nicht, wenn es ewig gedauert hat, bis ich meine Lektionen gelernt habe.

Was habe ich gelernt?

Vor Jahren hat meine Schwester gesagt, dass sie glücklich verheiratet ist, aber auch jederzeit einfach gehen könnte. Erst heute habe ich diese Aussage verstanden.

Ich war damals der Meinung, dass sie gar nicht so glücklich sein kann, wenn sie jederzeit gehen könnte. Schließlich ist das Miteinander doch das, was eine Beziehung ausmacht, oder?

Falsch. Mehr dazu später.

Neulich hatte ich einen Kunden in der Tankstelle. Ich weiß nicht mehr genau, wie wir auf das Thema gekommen sind und warum er mir das erzählt hat, aber er sprach von seiner Exfrau.

„Weißt du, Eric, wir waren glücklich verheiratet, hatten tolle Jahre zusammen und haben nach wie vor Kontakt. Doch irgendwann war klar, dass wir getrennte Wege gehen müssen. Das schmälert jedoch nicht unsere Liebe zueinander. Im Gegenteil.“

Auch Miriam ist inzwischen glücklich vergeben. Von ihr wollte ich wissen, warum es funktioniert. Sie erklärte mir, dass sie nicht voneinander abhängig sind. Jeder hat sein eigenes Leben und wahnsinnig viel zu tun. Hobbys, Dinge, die sie noch lernen wollen, und all das lassen eigentlich kaum Zeit für eine Beziehung.

Aber gerade dadurch, dass sie nicht aufeinander angewiesen sind und sich bewusst füreinander entschieden haben, funktioniert es so gut.

Sie erklärte mir, dass das eben ein Knackpunkt ist und es so verdammt schwierig macht, mit mir zusammen zu sein. Man hätte immer das Gefühl, mir gerecht werden zu müssen. Und das kostet Energie. So viel Energie, dass man selbst auf der Strecke bleibt.

Es ist auch ein paar Jahre her, dass sie mir sagte, dass sie mir nicht die Bühne geben kann, die ich brauche. Auch das habe ich erst heute verstanden.

Sie hatte recht

Sie hatte recht. Wie in so vielem.

Nach der Aussage mit dem bewussten Füreinander-Entscheiden kapierte ich, warum meine längste Beziehung so lange gehalten hat. Wir haben uns gar nicht gebraucht. Haben uns nicht einmal gesucht. Wir waren einfach da.

Wir haben uns am Wochenende gesehen, mal in den Ferien oder im Urlaub. Doch im Großen und Ganzen hatte jeder sein eigenes Leben.

Ich weiß also eigentlich, wie das funktioniert und wie man eine Beziehung führen kann. Aber irgendwann ist irgendwas passiert, was mich verändert hat. Die Trennung hat mich damals so fertig gemacht, dass ich nicht mehr leben wollte. Ich stürzte in Depressionen und bin erst nach vielen Jahren wieder da rausgekommen.

Es hat ewig gedauert, bis ich mich wieder auf jemanden einlassen konnte. Die Trennung hat mich damals so zerstört, dass kaum noch Selbstwert übrig war.

Ich hatte schon immer Probleme, mich mit mir selbst zu identifizieren. Doch statt mich mit mir selbst zu beschäftigen und meinen Selbstwert wieder aufzubauen, zog ich meinen Selbstwert aus meinen Beziehungen.

Hatte ich keine Beziehung, stürzte ich mich in Arbeit. Das wiederum führte dazu, dass ich nur ausgenutzt wurde.

Ich habe so sehr nach Anerkennung gestrebt, dass ich jedem und allem gerecht werden wollte. Nur mir selbst nicht.

Großer Fehler. Ganz großer Fehler.

Rückwirkend betrachtet haben mich meine Erfahrungen der letzten Jahre trotzdem zu einer besseren Version meiner selbst geführt.

Selbstwert

Das Wort heißt Selbstwert.

Ich bin es mir selbst wert. Muss es niemandem recht machen, außer mir selbst. Ich bin es mir selbst wert.

Ich gehe keine Beziehungen mehr ein, nur weil es einfach ist. Gehe keiner Arbeit mehr nach, nur um Anerkennung zu finden. Ich weiß, was ich möchte und wohin meine Reise gehen soll.

Schade, dass ich diese Einsicht nicht schon vor ein paar Wochen hatte. Nichtsdestotrotz hat mich alles dahin geführt, wo ich heute sein soll und sein möchte.

Wie üblich bin ich wieder komplett vom Thema abgeschweift, aber alles spielt zusammen. Ich habe die Aussage „Am Anfang ist alles gut“ in den letzten Tagen zweimal gehört. Einmal in Bezug auf meinen neuen Job und einmal heute in meinem Nebenjob.

Es ist nur Arbeit

Das Thema mit dem neuen Job ist schnell erklärt. Yvonne meinte, dass sie Angst hat, dass ich da wieder zu euphorisch reingehe und am Ende enttäuscht werde.

Das ist nicht der Fall. Denn es ist nur Arbeit.

Gerade in den letzten Wochen konnte ich feststellen, wie viel Arbeit es hier in der Region gibt. Tatsächlich liegen noch fünf Angebote und eine Ausbildungsmöglichkeit auf meinem Rechner. Fünf von zwanzig, für die ich mich bewusst entschieden habe.

Arbeit ist also gar kein Problem.

Wichtiger ist die persönliche Entwicklung

Heute hatte ich eine Kundin in der Tankstelle, die mir gefallen hat. Sie war genau mein Typ, und meine Kolleginnen wissen inzwischen wohl auch, worauf ich stehe.

Meine Kollegin hat mir dann die Tour versaut. Als die Kundin zur Tür raus war, teilte ich ihr das auch mit.

„Nein Eric, ich habe dir nicht die Tour versaut – ich passe nur auf dich auf. Denn am Anfang ist immer alles gut.“

Ich bedankte mich bei ihr, und wir vertieften das Thema noch ein wenig. Ich war überrascht, weil wir bisher noch nie großartig über mein Privatleben geredet haben.

Dennoch wusste sie, dass ich derzeit keine Frau in meinem Leben gebrauchen kann und mich lieber auf meine persönliche Entwicklung konzentrieren sollte. Ihre Worte haben mich zum Nachdenken gebracht.

Es ist wichtig, dass ich mich selbst reflektiere und meine eigenen Bedürfnisse und Ziele priorisiere. Beziehungen und Arbeit können bereichernd sein, aber sie sollten nicht mein Selbstwertgefühl bestimmen.

Ich sollte mir selbst genug sein und mein eigenes Glück nicht von anderen abhängig machen. Nur wenn ich mich selbst liebe und respektiere, kann ich auch in einer Beziehung glücklich sein, ohne mich darin zu verlieren.

Die Erkenntnis

Diese Erkenntnis hilft mir dabei, bewusster Entscheidungen zu treffen und mich auf das zu konzentrieren, was mir wirklich wichtig ist. Es geht darum, authentisch zu sein, mich selbst zu akzeptieren und meinen eigenen Weg zu gehen.

Am Anfang mag alles gut sein. Aber es liegt an mir, meine eigenen Grenzen zu setzen und meine Bedürfnisse zu respektieren.

Ich bin dankbar für die Menschen in meinem Leben, die mich unterstützen und mir ehrliches Feedback geben. Sie helfen mir dabei, mich weiterzuentwickeln und meine Lektionen zu lernen.

Es ist ein Prozess. Und auch wenn es manchmal Zeit braucht, bis man Dinge versteht, bin ich auf dem richtigen Weg.

Es ist nie zu spät, aus vergangenen Erfahrungen zu lernen und sich selbst neu zu definieren. Ich bin bereit, mein Leben in die Hand zu nehmen und meinen Selbstwert zu stärken.

Denn am Ende des Tages bin ich es mir selbst wert, glücklich und erfüllt zu sein.

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Mehr persönliche Texte findest du in Liebe & Beziehungen und Entwicklung & Gesundheit.

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3 Kommentare

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  1. Neil

    Schöne Bettlektüre. Hat mir gefallen.
    Irgendwann kommt die richtige und dein Leben ändert sich….oder nicht!

    • Eric

      Schön, dass du im Bett an mich denkst :P Danke! :)

  2. Neil

    Immer ✊️

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