Me, Myself & I – Teil 1

Kennst du das? Du triffst eine Entscheidung, entschließt dich, einen bestimmten Weg zu gehen – und dann kommt alles anders.

Für alle, die meinen Blog nicht regelmäßig lesen, muss ich jetzt etwas ausholen.

Der Entschluss

Irgendwann im vergangenen Jahr traf ich für mich die Entscheidung, dass es so, wie es damals lief, nicht weitergehen kann.

Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich noch bei der Post. Es war eine Tätigkeit, die ich vor bald fünf Jahren aufgenommen hatte, weil ich gemerkt habe, dass ich gern mein eigener Chef sein möchte. Ich wollte eine Mischung aus drinnen und draußen arbeiten. Und damit bin ich auch eine ganze Zeit lang gut gefahren.

Mir hat niemand ständig auf die Finger geschaut. Ich konnte mein Ding machen, mit Kunden reden und wurde wertgeschätzt. Über die Corona-Zeit hinweg wandelte sich das allerdings. Alles wurde selbstverständlicher. Die Menschen stumpften ab. Und irgendwann war das, was mir anfangs noch gefallen hatte, einfach nur noch belastend.

Was ich genau damit meine, habe ich bereits in folgendem Beitrag beschrieben: Zusteller – die leisen Verlierer der Pandemie.

Ich hatte immer weniger Freude daran, arbeiten zu gehen. Die Tage wurden länger, meine Freizeit blieb größtenteils auf der Strecke, meine Motivation verschwand und ich hatte immer weniger Lust, morgens aufzustehen.

Man hat mir angemerkt, dass ich innerlich schon lange gekündigt hatte. Und ja, ich war bereits dabei, mir einen anderen Job zu suchen.

Der Wechsel

Ich ging Alternativen durch und überlegte mir, welcher Job der Tätigkeit bei der Post ungefähr nahekommt. Mir war klar, dass es irgendetwas sein musste, bei dem ich viel unterwegs bin und am besten größtenteils für mich allein arbeiten kann.

Also registrierte ich mich auf einer Plattform für Fahrerjobs. Im Gegensatz zum normalen Bewerbungsprozess bewirbt man sich dort nicht klassisch bei den Unternehmen, sondern die Unternehmen melden sich bei dir.

Als Fahrer oder ganz allgemein in der Logistik findet man immer Arbeit. Und ich glaube, das wird über die Jahre auch eher mehr als weniger werden.

Nach ein paar Wochen meldete sich Isarland bei mir, ein kleineres lokales Unternehmen, das Kunden mit frischen Ökoprodukten versorgt.

Man nahm sich Zeit für neue Bewerber. Mir wurde das ganze Unternehmen gezeigt, und mein Augenmerk lag damals ehrlich gesagt mehr auf den Mitarbeitern als auf der Tätigkeit selbst.

Von A nach B fahren, Leute beliefern – ich habe die vergangenen Jahre nichts anderes gemacht. Es ist keine Raketenwissenschaft. Wahrscheinlich ist genau das auch einer der Gründe, warum solche Jobs oft nicht besonders gut bezahlt sind.

Trotzdem hatte ich Bock. Ich hatte wirklich Bock. Etwas Neues. Frischer Wind. Neue Leute. Es war einfach Zeit für einen Tapetenwechsel.

Also dauerte es nicht lange, bis ich den Arbeitsvertrag unterschrieb und bei der Post kündigte.

Frischer Wind

Mit dem Wechsel in das neue Unternehmen nahm ich mir vor, Persönliches komplett rauszulassen. Ich wollte einfach nur meine Arbeit machen und keine großartigen zwischenmenschlichen Beziehungen mit meinen Kollegen aufbauen.

Wer jetzt schon ahnt, wie die Geschichte ausgegangen ist, wird heute vermutlich genauso lachen wie ich.

Die Planung

Zum Jahreswechsel zog ich einen Strich und setzte mir klare Ziele für das neue Unternehmen:

  • Keine persönlichen Bindungen mehr, weil das früher oder später ausgenutzt wird.
  • Arbeit ist Arbeit. Privat ist privat.
  • Nur noch das Nötigste, sonst nichts darüber hinaus.

Als ich damals zur Post gegangen bin, war ich erleichtert, weil ich einen Chef und einen Vorgesetzten hatte. Es waren überwiegend Männer, mit denen ich zu tun hatte. Dadurch konnte ich gar nicht erst Gefahr laufen, wieder mit meiner Chefin im Bett zu landen.

Wieder, weil das eben schon mal passiert ist.

Genauer gesagt: weil es schon zweimal passiert ist.

Alte Muster

Das erste Mal war rückblickend ziemlich unangenehm. Sie wollte mehr, ich aber nicht. Und irgendwann wurde sie richtig schwierig.

So schwierig, dass ich irgendwann meine Personalkarte nahm, sie ihr mit den Worten „Ach, fick dich doch…“ vor die Füße warf, kündigte und den Kontakt abbrach.

Das Problem war nur, dass sie danach anfing, ihren Frust an meinen Freunden auszulassen, die noch in der Firma gearbeitet haben.

Klar, ich war nicht mehr greifbar. Irgendwie wollte sie mir wohl eins auswischen. Kürzen wir es ab: Am Ende ging das Ganze für sie nicht besonders gut aus. Nachdem einiges hochgekocht war, verlor sie ihren Job, ihre vermeintlichen Freunde und ihre Wohnung. Ich konnte irgendwann meinen Frieden damit finden.

Die andere Geschichte

Beim zweiten Mal war es anders. Es war mit die schönste Zeit in meinem Leben. Und das, obwohl ich damals wirklich am Tiefpunkt war.

Ich hatte über ein halbes Jahr hinweg eine Affäre mit einer verheirateten Frau, die mir vorgesetzt war. Wir hatten viele schöne Stunden zusammen, und es gab schlichtweg nichts Negatives.

Es war alles super – bis zu dem Punkt, an dem sie mir mitteilte, dass sie sich scheiden lassen möchte und auch mehr von mir will.

Wow.

Man soll nichts bereuen. Trotzdem ärgert es mich manchmal, dass ich damals abgeblockt habe.

Inzwischen ist es nicht mehr weiter tragisch, weil wir nach wie vor gelegentlich Kontakt haben. Vergangenes Jahr trafen wir uns sogar kurz. Es fühlte sich beiderseits so an, als wäre kein einziger Tag vergangen. Und das, obwohl es inzwischen schon fast sechs Jahre her ist.

Diesmal sollte es anders werden

Ich wechselte also im vergangenen Februar zu Isarland. Und ich war wieder beruhigt, weil meine Vorgesetzten nur Männer waren.

Dann kam es abermals anders.

Nach circa zwei Wochen wurde ein Mädel als Stellvertretung für meinen Vorgesetzten eingestellt. Damals wurden wir zusammengerufen. Es gab noch Maskenpflicht, sodass ich nur ihre Augen sehen konnte.

Und ich fing innerlich an zu schreien:

„Scheeeeeeeiiiiiiiiiiisssssssssseeeeeeeee!“

In dem Moment, als ich sie gesehen habe, wusste ich, dass es wieder schwierig wird. Und wenn ich jetzt daran denke, fehlen mir eigentlich immer noch die Worte.

Ich hatte mir vorgenommen, nach mir zu schauen, meinen Weg zu gehen und mich um mich selbst zu kümmern. Und dann kommt sie daher.

Bah.

Wochenlang gelang es mir, ihr aus dem Weg zu gehen. Ich ging meiner Arbeit nach. Außer Hallo und Tschüss kam nichts von mir.

Und ja. Irgendwann wurde es anders.

Eines Tages lief ich an ihr vorbei. Sie lobte ein Instagram-Reel von mir, und ich beachtete es zunächst gar nicht.

Ich lief unbeachtet weiter und dachte mir währenddessen:

„Nein… nein… NEIN! NEIN, ERIC! NEIN!“

Dann drehte ich um, ging schnurstracks auf sie zu und verwickelte sie in ein kurzes Gespräch.

Und genau das war der Anfang vom Ende.

Ich fing an, Witze bei Freunden zu machen. Suchte immer wieder den Kontakt auf der Arbeit. Nahm irgendwann einen Kumpel zum Schnuppertag mit und sagte ihm vorher, dass er wohl heute ein Mädel kennenlernt und mir seine Meinung zu ihr sagen soll.

Der Anfang vom Ende

„Ich würde sie ficken.“

Das war seine Aussage.

Und wenig später habe ich genau das dann getan.

Es war wahnsinnig berauschend und ging alles superschnell. So schnell, wie es anfing, ging es allerdings auch wieder zu Ende.

Uff.

Jetzt gerade hoffe ich, dass mein Kumpel sie nicht wirklich fickt. Wäre auch nicht das erste Mal dieses Jahr, dass ich mich in jemandem getäuscht hätte.

Vielleicht klingt das alles chaotisch. Vielleicht ist es das auch. Aber genau deshalb schreibe ich es auf. Weil ich mir selbst beim Lesen irgendwann vielleicht erklären kann, warum ich wieder an einem Punkt gelandet bin, an dem ich eigentlich nie wieder stehen wollte.

Fortsetzung folgt

An dieser Stelle lasse ich es erst einmal so stehen. Die Fortsetzung habe ich in Me, Myself & I – Teil 2 aufgeschrieben.

Weiterlesen

Wenn dich diese Art persönlicher Rückblick interessiert, lies auch Am Anfang ist alles gut, Depressionen und Beziehungen und Wieso Onlinedating nicht funktioniert.

Mehr persönliche Texte findest du in Liebe & Beziehungen und Entwicklung & Gesundheit.


Entdecke mehr von Meskas Blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

vorheriger Beitrag

nächster Beitrag

Gedanken dalassen

Deine E-Mail bleibt privat. Lieber nicht öffentlich? Schreib mir anonym.

oder unten mit Name und E-Mail kommentieren

Falls du auf diesen Beitrag mit einem Artikel auf deiner eigenen Webseite geantwortet hast, kannst du hier die URL deines Beitrags eingeben. Dabei sollte es sich um die Permalink-URL handeln. Deine Antwort wird dann (möglicherweise nach der Moderation) auf dieser Seite angezeigt. Falls du deine Antwort aktualisieren oder entfernen möchtest, aktualisiere oder lösche deinen Beitrag auf deiner eigenen Webseite und gib die URL des Beitrags erneut ein. (Erfahre mehr über Webmentions.)

Impressum & Datenschutz