Schlaflose Nächte und alte Gedanken

In letzter Zeit merke ich wieder, dass mich meine Gedanken nachts einholen. Ich schlafe unruhiger, lasse das Licht brennen und finde allein in meiner großen Wohnung manchmal keine Ruhe.

Wir sind nun fast elf Jahre getrennt. Elf Jahre, in denen viel passiert ist. Aber es sind eben auch elf Jahre, in denen ich dich nie ganz vergessen konnte.

Vielleicht schreibe ich das hier nur, um meine Gedanken zu sortieren. Vielleicht ist es eine Art Selbstgespräch, das ich früher nie führen konnte.

Eines möchte ich gleich zu Beginn sagen: Mir geht es heute gut. Sehr gut sogar. Vielleicht schreibe ich diesen Text am Ende auch nur, um mir selbst zu bestätigen, wie weit ich gekommen bin.

Die ersten Jahre nach der Trennung

Die ersten Jahre nach unserer Trennung waren schwer. Dein kleiner Bruder fragte mich damals: „Ihr kommt doch wieder zusammen, oder?“

Meine Antwort hat sich mir eingebrannt:

„Nach der ersten Trennung habe ich geweint, nach der zweiten wollte ich mir das Leben nehmen. Was glaubst du, was nach einer dritten passieren würde?“

Dieser Satz war schonungslos ehrlich. Und er zeigte mir, dass es keine dritte Runde geben durfte.

Trotzdem waren die folgenden Jahre von Schmerz geprägt. Auch wenn ich versucht habe, diesen Schmerz durch andere Beziehungen, Affären und Ablenkung irgendwie zu betäuben.

Mit Yvonne fand ich sofort Ablenkung. Doch es war schnell klar, dass daraus nichts Dauerhaftes entstehen würde. Danach folgten flüchtige Geschichten, die mir zwar kurz das Gefühl gaben, nicht allein zu sein, aber eben auch nicht mehr waren als das.

Dann begegnete ich Bianca. Sie war unglücklich verheiratet, ich war innerlich noch lange nicht wieder gerade. Wir trösteten uns gegenseitig, und sie bedeutete mir mehr, als ich damals zugeben konnte.

Aber ich war nicht bereit, etwas Festes zuzulassen. In Wahrheit hielt ich noch immer an dir fest, obwohl ich wusste, dass es sinnlos war.

Später lernte ich Miriam kennen. Mit ihr begann ich, etwas zu tun, das ich in unserer Beziehung nie richtig konnte: reden.

Stundenlang. Manchmal ganze Nächte. Sie hörte einfach zu, und das tat mir gut. Auch wenn daraus keine dauerhafte Beziehung entstand, half sie mir, wieder mehr bei mir selbst anzukommen.

Erste Schritte nach vorn

In dieser Phase machte ich meinen Führerschein. Für andere vielleicht ein normaler Schritt. Für mich war es ein Meilenstein.

Ich bestand die Prüfungen fehlerfrei, fuhr seitdem über 1,5 Millionen Kilometer und entdeckte eine neue Freiheit. Autofahren wurde zu etwas, das mich geerdet und gleichzeitig getragen hat.

Mein erstes Auto war ein Golf 4. Er begleitete mich eine Weile, bevor ich – nach einer weiteren Episode mit Yvonne – meinen ersten MINI kaufte.

Dieser kleine Wagen war mehr als nur ein Auto. Er wurde ein Stück Identität. Ein Symbol für das, was ich wirklich wollte: Freude, Eigenständigkeit, Leidenschaft.

Und vielleicht auch ein Stück Flucht. Aber eine gute.

Bayern als Neuanfang

Schließlich zog es mich nach Bayern. Der Umzug war wie ein Befreiungsschlag. Ich wollte mich neu erfinden, Abstand gewinnen und endlich wieder einen klaren Kopf bekommen.

Dort arbeitete ich bei der Post. Tagtäglich draußen, bei Wind und Wetter, mit viel Zeit für mich selbst. Freunde hatte ich kaum. Aber genau das brauchte ich damals vielleicht auch: Alleinsein, um mich irgendwie zu sortieren.

Miriam blieb in dieser Zeit eine wichtige Bezugsperson. Keine feste Beziehung, aber eine Vertraute. Mit ihr konnte ich Nähe zulassen, ohne mich eingeengt zu fühlen. Das half mir, meine eigenen Grenzen besser zu verstehen.

Ab und zu war ich in Pforzheim und sprach mit Nicole. Sie erzählte mir, dass es dir gut gehe. Ob das wirklich stimmte oder nicht, war am Ende egal. Für mich war es genug, um das Thema zumindest oberflächlich abzuhaken.

Oberflächlich. Denn ganz weg war es nie.

Yvonne, die zweite Runde

Irgendwann kam Yvonne erneut in mein Leben. Sie zog für ein Jahr zu mir, und diesmal erlebte ich auf schmerzhafte Weise, was es heißt, wenn man nebeneinander lebt, aber nicht wirklich miteinander.

Wir arbeiteten zusammen, verbrachten Zeit miteinander, waren irgendwie verbunden. Aber wir sprachen kaum. Nicht wirklich. Nicht über das, worüber man hätte sprechen müssen.

Am Ende zerbrach es daran. Und ich ein Stück weit an mir selbst.

Doch direkt nach dieser Trennung kaufte ich meinen ersten MINI. Damit begann eine Leidenschaft, die bis heute anhält und letztlich sogar meinen beruflichen Weg geprägt hat.

Manchmal entstehen aus den dümmsten Tiefpunkten Dinge, die später plötzlich Sinn ergeben. Nicht sofort. Aber irgendwann.

Sowas wie Liebe auf den ersten Blick

Dann kam Anastasia.

Wir begegneten uns während der Corona-Zeit im Job, beide mit Masken im Gesicht. Und trotzdem spürte ich sofort: Da ist etwas.

Zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich etwas, das man wohl Liebe auf den ersten Blick nennt. Oder zumindest etwas, das sich genau so angefühlt hat.

Wir hielten unsere Beziehung zunächst geheim. Wir fuhren in getrennten Autos zur Arbeit, damit niemand etwas bemerkte. Für eine Weile war ich wirklich glücklich. So glücklich, dass es fast unwirklich erschien.

Und dann kam das plötzliche Ende.

Sie sagte mir, sie könne nicht damit umgehen, dass alles so gut laufe. Zu viel Glück. Zu ungewohnt. Zu bedrohlich in seiner Leichtigkeit.

Ich verstand ihre Worte irgendwie. Und konnte sie doch nicht nachvollziehen.

Wir gaben uns eine Pause, sprachen später noch einmal, aber am Ende blieb es dabei. Es war vorbei.

Beruflicher Wandel

Nach Anastasia begann ich bei Euronet, einem großen FinTech-Unternehmen. Parallel dazu entwickelte sich mein Hobby immer stärker zu meinem Beruf.

Mit dem MINI begann alles: Aus einem Wagen wurde ein Club, aus dem Club wurden Kontakte, und aus diesen Kontakten entstand schließlich mein jetziger Job.

Heute arbeite ich beruflich mit MINIs. Irgendwie absurd, wenn man bedenkt, dass dieser ganze Weg ursprünglich aus Schmerz, Flucht und einem kleinen Auto entstanden ist.

Aber vielleicht ist genau das Leben. Du planst irgendwas, gehst kaputt, baust dich neu zusammen und merkst irgendwann, dass selbst der Umweg ein Weg war.

Ein neues Kapitel: Edna

Und dann, fast unerwartet, trat Edna in mein Leben.

Es war Weihnachten. Ich war bei meinem Vater in Chemnitz und installierte aus Langeweile Tinder. Unter all den Gesichtern war plötzlich ein Match – ohne Profilbild.

Wir kamen ins Gespräch und verstanden uns sofort.

Am letzten Tag vor ihrer Rückreise nach Uganda trafen wir uns persönlich. Da stand sie: 154 cm groß, 54 kg leicht, dunkelhäutig, mit einem Lachen, das ansteckender nicht sein könnte.

Edna brachte eine neue Kultur mit, eine andere Leichtigkeit und eine entspanntere Sicht aufs Leben. Genau das, was mir gefehlt hatte.

Seitdem führen wir eine Fernbeziehung, telefonieren fast jeden Abend stundenlang und verbringen mehrere Wochen im Jahr zusammen.

Nächstes Jahr heiraten wir. Zweimal. Einmal hier für die Formalitäten und einmal in Uganda, für ihre Familie und ihre Kultur.

Mit Edna habe ich das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

Nicht, weil alles perfekt ist. Sondern weil es sich ruhig anfühlt. Weil ich nicht ständig kämpfen muss, um gesehen zu werden. Weil da jemand ist, der mich nimmt, wie ich bin – mit all dem Chaos, den alten Geschichten und dem Kopf, der manchmal zu viel denkt.

Heute

Heute lebe ich in einer großen Maisonettewohnung in Niedersachsen. Ich bringe genug Geld nach Hause, habe meine Schulden fast abbezahlt und bin verlobt.

Mein Leben ist stabil, erfüllt, und ich bin zufrieden.

Und doch …

Manchmal denke ich noch an dich.

Vielleicht, weil ich kürzlich wieder in Pforzheim war. Vielleicht, weil alte Erinnerungen hochkommen, wenn meine Mutter ein Foto aus dem Regal nimmt. Oder vielleicht, weil ich gerade an einem Punkt bin, an dem ich alles abschließen will.

Die Schulden. Die alten Gefühle. Die losen Enden.

Ob ich dir diesen Text jemals schicke? Ich weiß es nicht.

Vielleicht bleibt er einfach hier, in meinem Blog. Vielleicht lösche ich ihn auch wieder. Vielleicht reicht es aber auch schon, ihn einmal ausgesprochen zu haben.

Weiterlesen

Wenn dich dieser Rückblick interessiert, lies auch Anfang vom Ende und ein Neuanfang, Der Weg zu innerem Frieden und Am Anfang ist alles gut.

Mehr persönliche Texte findest du in Liebe & Beziehungen, Entwicklung & Gesundheit und Uganda.

Gefällt 3 Lesern

Entdecke mehr von Meskas Blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

vorheriger Beitrag

nächster Beitrag

Gedanken dalassen

Deine E-Mail bleibt privat. Lieber nicht öffentlich? Schreib mir anonym.

oder unten mit Name und E-Mail kommentieren

Falls du auf diesen Beitrag mit einem Artikel auf deiner eigenen Webseite geantwortet hast, kannst du hier die URL deines Beitrags eingeben. Dabei sollte es sich um die Permalink-URL handeln. Deine Antwort wird dann (möglicherweise nach der Moderation) auf dieser Seite angezeigt. Falls du deine Antwort aktualisieren oder entfernen möchtest, aktualisiere oder lösche deinen Beitrag auf deiner eigenen Webseite und gib die URL des Beitrags erneut ein. (Erfahre mehr über Webmentions.)

Impressum & Datenschutz